Verkehr und Mobilität Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Die Verkehrspolitik früherer Generationen hat dazu geführt, dass ländliche Gebiete noch immer auf den Individualverkehr angewiesen sind. Vor dem Hintergrund der globalen Klimaerwärmung sowie von Abgas- und Lärmbelastung müssen den Bürgerinnen und Bürgern verstärkt Angebote unterbreitet werden, auf das Auto zu verzichten und moderne und ökologische Alternativen in Anspruch zu nehmen. Der ungebrochene Drang zum Ausbau des Straßennetzes in den Städten und Gemeinden ist kein Ausweg, sondern eine Falle. Die Unentbehrlichkeit des motorisierten Verkehrs ist unbestritten, aber seine rapide Zunahme hat in den Orten zu beängstigenden Zuständen geführt. Ein Auto verbraucht an Straßen und Parkflächen im Durchschnitt 50 qm öffentlichen Raum. Die Städte und Gemeinden können diesen ständig zunehmenden Platzbedarf des Verkehrs aber meist nicht mehr befriedigen. Autoverkehr als beherrschende Mobilität kann allein aus Platzgründen nicht länger aufrecht erhalten werden. Die Wiedergewinnung des innerörtlichen Raumes durch Reduzierung des Verkehrs und seiner Folgeerscheinungen ist als einmalige Chance zu sehen. Eine ständige Ausweisung neuer Baugebiete statt Renovierung bestehender Häuser und der Schließung von Baulücken führt langfristig zu einer weiteren Verödung vieler Ortskerne im ländlichen Raum. Wir müssen wieder kurze Wege anstreben, die auch zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können. Das Automobil erscheint vielen als außerordentlich bequemes Fortbewegungsmittel. Doch aufgrund des enormen Platzbedarfs, des Gefährdungspotenzials für andere und schädlicher Emissionen wie zum Beispiel Lärm und Abgase verdrängt das Auto jede andere Aktivität von der Straße. Als geparkte Autos bedrängen sie selbst noch den Verkehr. Viele Kinder legen ihren täglichen Weg in die Schule bzw. in den Kindergarten mittlerweile gar nicht mehr zu Fuß zurück. Wir wollen alle Aktivitäten – wie z. B. den "I walk to school day" – unterstützen, die helfen, dass Kinder sich wieder mehr zu Fuß im öffentlichen Raum bewegen. Wir haben die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten: Eine angemessene Mobilität kann nur funktionieren, wenn wir uns auf Methoden einigen, die den Verkehr auf ein verträgliches Maß reduzieren und seine nachteiligen Folgen, wie Lärmbelastung und Unfallgefahr, Flächenverbrauch etc. minimieren. Moderne Mobilitätskonzepte zielen darauf, mit sehr viel weniger Autos, aber sehr viel mehr öffentlichem Verkehr mehr Effizienz, Rationalität, und eine bessere Mobilität zu erreichen und dabei weniger Schaden anzurichten. Die herrschende Dominanz des MIV wird durch ein Verkehrssystem ersetzt, das den Mobilitätsbedürfnissen und den verfügbaren Ressourcen von Raum und Energie besser angepasst ist. Somit ist die ökologische Verkehrswende kein Immobilitäts- und Armutsmodell durch staatlich verordneten Autoverzicht, sondern ein Mobilitäts- und Fortschrittsmodell durch intelligente Verkehrsorganisation und moderne Verkehrsinvestition. Wir haben in der Vergangenheit bereits einiges erreicht, denn auch in der Entwicklung des Verkehrs im Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sich die Beteiligung von Bündnis 90 / Die Grünen an der Kreisregierung positiv ausgewirkt: ·          Mit dem unter grüner Verantwortung erarbeiteten Nahverkehrsplan ist die Grundlage für einen integrierten Taktverkehr, eine Mindestversorgung im Zwei-Stunden-Takt in allen Teilen des Landkreises und ein Angebot auch abends und an Wochenenden geschaffen worden (zum Teil als Anrufvariante). ·          Durch die von uns schon lange geforderte Vergabe von Verkehrsleistungen im Wettbewerb wird dieses wegweisende Konzept bereits zum Fahrplanwechsel 2005/06 im halben Kreisgebiet umgesetzt. Hierdurch wird mehr Verkehrsleistung zu günstigeren Preisen realisiert. ·          Daneben sind vorbildliche Projekte realisiert, wie z. B. das Fifty-Fifty-Taxi, das Jugendlichen abends kostengünstige und sichere Mobilität ermöglicht. Die Begleitung der Schülerbusse wird in die Schule als integriertes Konzept verwirklicht. ·          Der Haltepunkt Biedenkopf Schulzentrum wurde endlich realisiert. ·          Die Haltestellen wurden modernisiert. Buswartehallen wurden vielerorts erneuert. Dennoch wird hier ein weiterer Bedarf – insbesondere bei Schulen – gesehen. Mit diesen Erfolgen setzen wir uns positiv von den anderen Parteien ab, deren Verkehrspolitik immer noch einseitig auf Auto und Straßenbau setzt. Herausragendes Beispiel dieser verfehlten Politik ist ihr Festhalten am völlig überflüssigen und umweltschädlichen Bau der A 49. Wir fordern seit Jahren integrierte Verkehrskonzepte statt immer mehr Beton. Nachdem sich der Kammmolch vor einiger Zeit als verkehrspolitisch intelligenter erwiesen hat als viele unserer heimischen PolitikerInnen, ist die Einsicht in der Unnötigkeit des Projektes immer noch nicht gewachsen. Auch die zur Zeit diskutierten Trassenvarianten lehnen wir weiterhin ab. Dies gilt auch für den Bau des möglichen anderen Großprojektes – der A 4. Sie ist verkehrlich nicht erforderlich, finanziell unrealistisch und ökologisch unverantwortlich. Das haben mittlerweile auch einige der Protagonisten begriffen und wollen jetzt statt dessen eine (drei- bis vierspurige) Bundesstraße ohne Kreuzungen, Ampeln und langsamere Fahrzeuge – dies ändert jedoch in nichts die Unnötigkeit des Projektes. Unsere Vorhaben und Ziele: ·         Der Öffentliche Personennahverkehr muss weiter zügig ausgebaut werden. Dazu wollen wir die durch die Vergabe von Verkehrsleistungen im Wettbewerb erwirtschaftete Effizienzdividende einsetzen. ·         Der Landkreis muss sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Bau der S-Bahn-Gleise (drittes und viertes Gleis) auf der Main-Weser-Bahn realisiert wird, um die unerträgliche Situation für PendlerInnen nach Frankfurt endlich verbessern zu können. ·         Die anderen Bahnstrecken im Kreis sollen erhalten und in ihrer Funktion gestärkt werden. Dazu soll sich der Landkreis an Investitionen für die Burgwald- und in die obere Lahntalbahn beteiligen. ·         Qualität im öffentlichen Verkehr definiert sich von den NutzerInnen her. Wir wollen einen Fahrgastbeirat einrichten. In einem Modellprojekt zusammen mitdem RMV soll die Kompetenz der Fahrgäste als „Qualitätsscouts“ genutzt werden. ·         Nach der Einführung des “Mittelhessenkonzeptes” auf der Main-Weser-Bahn im Jahre 2007 muss auch auf der Oberen Lahntalbahn ein durchgehender Stundentakt realisiert werden. ·         Der am meisten frequentierte Bahnhof im Kreis ist der Marburger Hauptbahnhof. Wir fordern die Deutsche Bahn auf, den seit vielen Jahren versprochenen behindertengerechten Umbau endlich vorzunehmen. ·         Die Einrichtung eines Mobilitätszentrums im Marburger Hauptbahnhof sollte gemeinsam mit dem RMV, der Stadt Marburg und dem Landkreis umgesetzt werden. ·         Damit weitere Angebote im Bereich des sozialverträglichen Tourismus geschaffen werden können, ist die Verzahnung zwischen dem ÖPNV und dem Tourismusbereich verstärkt auszubauen. ·         In den Sommermonaten sollten Möglichkeiten geschaffen werden, die Fahrradmitnahme auf der Oberen Lahntalbahn am Wochenende zu verbessern. Hier müssen Kapazitätsengpässe beim Bahnverkehr beseitigt werden. ·         Analog der Fahrradmitnahme der Buslinie 407 (Herborn nach Bad Endbach), sollten auch die Linien 491 (Dillenburg-Biedenkopf) und 383 (Bad Endbach-Marburg) an den Wochenenden mit Fahrradanhängern ausgestattet werden. ·         Für den Freizeitverkehr ist das Radwegenetz im Kreis in den vergangenen Jahren bereits gut ausgebaut worden. Wir setzen uns für nötige Lückenschlüsse ein, um das Fahrrad auch im Alltagsverkehr zu stärken, z. B. in Neustadt. ·         Dort wo der Kreis als Straßenverkehrsbehörde die Möglichkeit hat, wollen wir Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Ortsdurchfahrten verwirklichen. ·         Wir fordern, sowohl die A 4 als auch die A 49 aus dem Bundesverkehrswegeplan zu streichen.