Umwelt und Energie – Sicherung natürlicher Lebensgrundlagen Zentrales Anliegen grüner Politik ist der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Hierzu müssen wirtschaftliche Entwicklung und soziale Sicherheit künftig verstärkt mit dem Schutz der Umwelt in Einklang gebracht werden. Umweltschutz ist für uns untrennbar mit den Bereichen Verkehr, Energie, Abfall, Land- und Forstwirtschaft, Gewerbe und Industrie verknüpft. Wir müssen deshalb bei Bauleitplanungen, Siedlungsgestaltung, bei Verkehrserschließung und bei der Gestaltung öffentlicher Flächen die Schutzerfordernisse der Umwelt berücksichtigen. Auch ist die Berücksichtigung von ökologischen Grundlagen bei ökonomischen Planungen von elementarer Bedeutung.

Wasser Wasser ist unser Lebensmittel Nummer eins. Wir Grüne sind deshalb gegen die Privatisierung der Wasserversorgung. Trinkwasser ist kein Wirtschaftsgut, das nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen der Gewinnmaximierung gehandelt werden darf. Wir Grüne setzen uns auch in Zukunft dafür ein, dass Grundwasser in ökologisch verträglicher Weise gefördert wird und in guter Qualität sowie ausreichendem Maße für die Orts nahe Versorgung der Marburger Bürger und Bürgerinnen zur Verfügung steht. Dies setzt eine sparsame Verwendung der Grundwasserressourcen voraus und die stetige Erneuerung der städtischen Leitungssysteme um Leitungsverluste zu vermeiden, die Wassersparberatung für private Haushalte, der Einbau von Wassersparsystemen in öffentlichen Gebäuden sowie Regenwassernutzung für Brauchwassersysteme und Gartenbewässerung.

Energie Wenn Marburg-Biedenkopf sich als Innovationsmotor der Region Mittelhessen begreift, können vor allem bei den regenerativen Energien neue wirtschaftliche Potentiale erschlossen und vorhandene Standortfaktoren, wie z. B. im Bereich der Solarenergie und Biomasse erfolgreich ausgebaut werden. Energiesparen ist nach wie vor die beste Art, sinnvoll mit Energiereserven umzugehen. Das größte Sparpotenzial liegt in der Modernisierung und Sanierung von Altbauten. Doch auch bei Neubauten lässt sich problemlos Energie sparen: Passiv- und Plusenergiehäuser zeigen, dass modernste Gebäudetechnik erfolgreich eingesetzt werden kann und von den Bürgern angenommen wird. Für alle Neubauten des Landkreises und seiner Unternehmen soll künftig der Passivhausstandard gelten. So kann Marburg-Biedenkopf sich auch zukünftig erfolgreich als Vorreiter innovativer Klimaschutzmaßnahmen profilieren. Öffentliche Einrichtungen sollten künftig grundsätzlich auf Stand-by-Geräte verzichten. Außerdem fordern wir eine Informationskampagne zur Sensibilisierung der Bürger und Bürgerinnen. Weitere Maßnahmen wie etwa die Umrüstung auf effizientere Formen der Straßenbeleuchtung und eine Strom sparende Ampeltechnik sind nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Obwohl die Kohleförderung nach wie vor sechs mal höher gefördert wird als die Windkraft, obwohl sechs der zehn dreckigsten Kohlekraftwerke Europas in Deutschland stehen, obwohl die Umwelt verpestet und unwiederbringliche Rohstoffe vernichtet werden, wird der Ausbau der Windenergie durch übermäßige Bürokratie behindert. Windkraft ist heute neben Wasserkraft nicht nur die wirtschaftlichste Energie, sie ist dies auch nachhaltig und bei sinkenden Preisen. Strom und Wärme lassen sich aber auch besonders wirtschaftlich durch Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen. Diese Technologie eignet sich auch gut für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe, wie Biogas, Klärgas und Rapsöl und für kommunale Liegenschaften. Um eine nachhaltige Energieerzeugung zu erreichen, wollen wir erreichen, dass die Nutzung von Sonne oder Erdwärme nicht nur in Privathaushalten, sondern auch in Wirtschaftsbetrieben integraler Bestandteil der Gebäudetechnik wird. Die Installation einer Solaranlage muss für alle Neubauten und bei jeder größeren Umbaumaßnahme zum Standard werden. Die BürgerInnen sollen zum Thema Energiepass umfassend informiert werden. Jetzt in Heizungsmodernisierungen und dabei in Erneuerbare Energien zu investieren, schafft und sichert Arbeitsplätze in der Region, stärkt die regionalen Wirtschaftskreisläufe und entlastet damit nachhaltig die Haushalte.

Naturschutz und Landwirtschaft Die regelmäßig wiederkehrenden Lebensmittelskandale und Tierseuchen, wie z.B. verseuchte Futtermittel, Geflügelpest, BSE-Krise, Maul- und Klauenseuche und Antibiotika-Missbrauch in der Schweinezucht zeigen überdeutlich, dass die Erhaltung der bäuerlichen Landwirtschaft und der Schutz der VerbraucherInnen zwei Seiten einer Medaille sind. Die Grünen haben damit begonnen umweltfreundliche Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und regionale Verarbeitung zu unterstützen und dies zu einem Markenzeichen in der Landwirtschaft zu machen. Zusätzliche Aufgaben entstehen zudem für die bäuerliche Landwirtschaft im aktiven Naturschutz, im Erhalt der landschaftlichen Kulturräume und in der Erzeugung nachwachsender Rohstoffe als Energieträger. Der steigende Bedarf an Rapsöl, Holzhackschnitzel und –pellets und Biomasse für Biogas stärkt die regionalen Erzeuger. Damit eröffnen sich neue Perspektiven für Arbeitsplätze und Einkommen in ländlichen Regionen sowie für einen besseren Umwelt- und Naturschutz. Wir Grüne lehnen die Gentechnologie in der Landwirtschaft und bei der Lebensmittelproduktion ab. Durch eindeutige Kennzeichnungsregelungen bei Lebensmitteln wollen wir die Transparenz und die Sicherheit für die VerbraucherInnen verbessern. Auch auf lokaler Ebene wollen wir Erzeuger und Verarbeiter landwirtschaftlicher Produkte darin unterstützen, sich bewusst als Unternehmen mit regionalem und ökologischem Charakter zu präsentieren. Die wohlüberlegte Nutzung des Marktes vor der Haustür und die Festsetzung hoher Qualitätskriterien ist ein besseres und nachhaltigeres Marketingkonzept als billige Massenware europaweit zu produzieren. Der Weg „Weg vom Öl“ hin zur Energie vor der Haustür und auf dem Acker, der in den letzten Jahren ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum zeigt, macht deutlich, dass Ökonomie und Ökologie keinen Widerspruch darstellen. Während von anderen Parteien immer wieder vermeintlich wirtschaftliche Notwendigkeiten gegen Natur- und Umweltschutz ins Feld geführt werden, zeigt dagegen das Wirtschaftswachstum in diesem Bereich, dass wir Zukunftssicherung betreiben durch eine nachhaltige Wirtschaftsförderung bei Bewahrung einer lebenswerten Umwelt. Wir Grüne haben erreicht:
  • Die Agentur Naturentwicklung ist ein bundesweit einmaliger interkommunaler Zusammenschluss. Ziel ist die verbesserte Planung und Umsetzung von Naturschutz- und Ausgleichsvorhaben. Über Flächenpools und Ökokonten können auch größere Flächen, bzw. zusammenhängende Biotope entwickelt werden.
  • Auf Gebäuden des Landkreises wurden Photovoltaikanlagen installiert. In Neustadt wurde zur Energiegewinnung aus Biomasse eine Holz-Hackschnitzel-Anlage eingerichtet.
  • Der Klima- und Umweltschutzpreis des Kreises wurde nach Jahren der Pause wiederbelebt und neu ausgerichtet. In 2004 sind Initiativen ausgezeichnet worden, die sich um die Verbreitung der Photovoltaik bemühen; 2005 ging es um Umweltbildung.
  • Renaturierungen wie z. B. die der Breidensteiner Heide, des Arzbachs oder des Josbachs.

Unsere Vorhaben und Ziele: ·         Neben der eigentlichen Landwirtschaft liegt auch in unserem ländlich strukturierten Kreis die Zukunft vieler LandwirtInnen in der Vermarktung von Biomasse als Energielieferant. Wir wollen diesen Weg durch die Einrichtung von Biomasse-Kraftwerken unterstützen. ·         Der Kreis soll Möglichkeiten der Energieeinsparung in seinen Gebäuden auch mit Hilfe privater Partner (Contracting) konsequent nutzen. ·         Soweit der Kreis selber dazu nicht in der Lage ist, soll er weiterhin kreiseigene Dach- oder Grundstücksflächen für Bürgerphotovoltaikanlagen zur Verfügung stellen. ·         Wo dies landschaftsverträglich möglich ist, setzen wir uns für den weiteren Ausbau der Windenergie ein. Die Abwägung ökologischer Risiken (Gefährdung von Tieren, Lärmemissionen) sind dabei selbstverständlich. ·         Der Kreis wird mit Hilfe seiner Fachabteilungen weiter für ein umweltschonendes Bauen werben. Neben Passivhäusern gehören hierzu auch Maßnahmen des geringen Flächenverbrauchs, der alternativen Energiegewinnung, der Entsiegelung usw. ·         Über Heizungsmodernisierung, Energiepass und der Nutzung Erneuerbarer Energien sollen Stadt und Kreis verstärkt u. a. durch regelmäßig stattfindende Messen informieren. ·         Zur Schonung der Trinkwasservorräte soll die Verwendung von Brauchwasser gefördert werden. ·         Nachwachsende heimische statt endliche fossile Energieträger sollen so oft wie möglich zum Einsatz kommen. ·         Mobilfunk-Sendemasten in, unmittelbar auf, oder in der Nähe von Schulen und Kindergärten soll der Kreis dort nicht zulassen, wo es in seiner Entscheidungskompetenz steht. Gleichzeitig soll der Kreis Schulkinder und Eltern über den richtigen Umgang mit Handys aufklären, damit unnötige Strahlenbelastung während der körperlichen Entwicklung vermieden wird. ·         Das Sammeln von problematischen Abfällen muss für die Bürgerinnen und Bürger so unkompliziert wie möglich gestaltet werden, um zu verhindern, dass sie am Ende nicht doch irgendwo in der Restmülltonne landen. Das gilt sowohl für so genannten "Sonderabfall" als auch für die Elektro-Abfälle. Für letztere ist zwar laut Gesetz die Industrie zuständig, praktisch wird dies aber die Kommunen in der nächsten Zeit vor neue Aufgaben stellen. Hier müssen verbraucherfreundliche Lösungen gefunden werden.