Bildung – Lernen fürs Leben Wissen ist ein zentraler Faktor gesellschaftlicher Entwicklung. Von der Qualität des Bildungssystems hängt die Zukunft jedes Einzelnen und damit der gesamten Gesellschaft ab. In einem rohstoffarmen Land wie Deutschland ist eine gut ausgebildete Bevölkerung die wichtigste Ressource. Deshalb sind Investitionen in Bildung und Reformen des Bildungssystems für uns Grüne wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Politik. Der lebenslange Zugang zu Bildungsmöglichkeiten ist ein entscheidender Faktor für gesellschaftliche Gerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit. Denn Bildung ist die Grundlage für die aktive Teilhabe jedes Einzelnen am gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Geschehen. Wir leben in einer Gesellschaft, deren Zustand und deren Perspektive ganz zentral von ihrem Bildungsniveau abhängen. Bündnis 90 / Die Grünen wollen eine Wissenschaft, die ihre Verantwortung für die Zukunft der Gesellschaft wahrnimmt, sich den ökologischen und sozialen Problemen stellt und die Folgen ihrer Arbeit kritisch reflektiert.

Bildung von Anfang an Der Schlüssel für die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen liegt in der frühen Kindheit. In dieser Zeit werden die Grundlagen für einen forschenden Geist und für Entdeckungsfreude gelegt. Die Kindertageseinrichtungen haben darauf einen großen Einfluss. „Betreuung, Erziehung und Bildung“ – so lautet ihr gesetzlicher Auftrag. In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt hauptsächlich auf Betreuung und Erziehung. Höchste Zeit also, dass aus den Nur-Betreuungseinrichtungen auch Bildungseinrichtungen werden. Wir können es uns nicht leisten, fast ein Viertel unserer Kinder als Bildungsverlierer abzuschreiben und die anderen nicht angemessen zu fördern. Kaum jemand bezweifelt, dass ein ausreichendes Angebot an Betreuungsmöglichkeiten für Kinder auch unter drei Jahren benötigt wird. Selbstverständlich ist dies auch unser Ziel. Notwendig ist gleichzeitig aber unbedingt eine neue Qualitätsstufe in der Betreuung, Erziehung und Bildung unserer Kinder. Statt Kinder schon mit fünf in die Schule zu schicken, muss die Erziehungs- und Bildungskompetenz in den Kindertagesstätten und bei allen anderen Betreuungsinstitutionen erhöht werden. Dies trägt nicht nur dazu bei die Bildungschancen generell zu erhöhen, sondern hilft auch jenen Kindern, die besonders gefördert werden müssen und laut PISA schon aufgrund ihrer sozialen Herkunft schlechtere Bildungschancen haben. Der von der Landesregierung propagierte Erziehungs- und Bildungsplan (Übergang Kita und Schule) reicht nicht aus. Geplant war, dies nur an einer Kindertagesstätte im Landkreis in Kooperation mit einer Grundschule umzusetzen. Mittlerweile ist nicht einmal dies mehr Sachstand. Wir brauchen eine flächendeckende grundlegende Strategie. Dazu müssen wir den Qualifizierungsprozess in den Kindertagesstätten stärken; der Landkreis kann hierzu die Weiterbildungsangebote konzipieren und den Prozess koordinieren. Ein systematisches vorschulisches Curriculum, das auf spielerisches Lernen und lernendes Spielen setzt, ist erforderlich. Dabei geht es nicht darum, schon mit Vierjährigen Vokabeln zu pauken. Vielmehr sind die vielfältigen Talente der Kinder, ihre Wissenspotenziale, ihre emotionale Intelligenz und das soziale Lernen frühzeitig, altersgemäß und umfassend zu fördern. Kinder mit Migrationshintergrund brauchen Unterstützung beim Erlernen sowohl der deutschen als auch ihrer Muttersprache. Mehrsprachigkeit ist eine Ressource, die sich nutzen und fördern lässt. Nach skandinavischem Vorbild sollte jedes Kind ein „Logbuch“ bekommen, das seine individuellen Lern- und Entwicklungsschritte dokumentiert. Um Kinder auf diese Weise individuell zu fördern, brauchen wir qualifiziertes Personal, das sich mit frühkindlicher Sprachentwicklung, den Methoden frühkindlicher Sprachförderung, interkultureller Pädagogik und diagnostischen Verfahren auskennt. Die Ausbildung von ErzieherInnen muss also aufgewertet und auf ein international vergleichbares Niveau gehoben werden.

Schule Die Schule ist ein Lebensort und keine Lernfabrik. Sie ist der Ort, an dem Kinder unterschiedlicher sozialer, kultureller, ethnischer und nationaler Herkunft miteinander lernen und leben. Sozial benachteiligte Kinder sind auch in ihrer Schullaufbahn benachteiligt. Unser Schulsystem schafft es zumeist nicht, das Leistungsvermögen der Heranwachsenden zu nutzen und deren Begabungen zu fördern. Schule muss daher von anderen pädagogischen Systemen, die es auch im Inland gibt, lernen, Heterogenität zu nutzen und produktiv mit ihr umzugehen, statt frühzeitig in Schubladen zu stecken. Damit Kinder sich in ihrer Unterschiedlichkeit akzeptieren lernen, sollte die Schule mit gutem Beispiel vorangehen – indem sie sich beispielsweise von der Vorstellung verabschiedet, dass alle zur gleichen Zeit das Gleiche lernen müssen. Die Qualität der Schule und die Wirksamkeit pädagogischer Prozesse hängen entscheidend davon ab, wie stark sich alle Beteiligten – SchülerInnen, Eltern und Lehrkräfte – mit ihrer Schule identifizieren und sie mitgestalten können. In Schulen mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit werden die besten Lernergebnisse und die höchste soziale Integration erzielt. Die CDU-Landesregierung forciert – gegen alle wissenschaftliche Erkenntnis – die Dreigliedrigkeit des Schulsystems. Als Schulträger hat der Landkreis keine Möglichkeiten dies zu ändern. Daher müssen wir vor Ort das Beste aus der Situation machen. Der Druck auf kleine Schulen ist durch das Hessische Schulgesetz erhöht worden, da sie als unwirtschaftlich gelten. Durch den unter grüner Verantwortung erarbeiteten Schulentwicklungsplan konnten negative Auswirkungen des neuen Hessischen Schulgesetzes auf den Landkreis vorerst vermieden werden und einige positive Weichenstellungen in Richtung eines auf die Förderung von Bildungschancen aller ausgerichteten Schulsystems erreicht werden. Unsere Vorhaben und Ziele im Bildungs- und Betreuungsbereich: ·         Das Betreuungsangebot an Grundschulen soll ins schulische Bildungsangebot integriert werden und ist bedarfsgerecht weiter auszubauen. Ziel ist es, in spätestens zwei Jahren alle Elternanfragen bedienen zu können. Dazu bedarf es eines geschickten Umsteuerns von vorhandenen Ressourcen und einer engen Kooperation mit den Schulen, Fördervereinen und den Städten und Gemeinden. ·         Grundschulangebote sollen wohnortnah erhalten bleiben. ·         Das weiterführende Schulangebot muss dezentral ausgerichtet bleiben und Standorte mit wichtiger Funktion für die Region müssen gestärkt werden. Insbesondere gilt dies für die Stadtschule Biedenkopf und die MPS Rauschenberg-Wohratal. Für Neustadt ist eine Integrierte Gesamtschule unbedingt erforderlich, um den Schulstandort dauerhaft zu erhalten. ·         Der Landkreis soll Ganztagsangebote nicht nur durch die Schaffung räumlicher Voraussetzungen fördern, sondern auch durch die Weiterführung der schon aufgebauten Informationsunterstützung z. B. durch eine Homepage für Ganztagsschulen. Engpass dieser Entwicklung ist allerdings das Land, das für die nächsten drei Jahre nur je eine Stelle zum Ausbau des Ganztagsangebotes bewilligt hat. ·         Die Arbeit der Beratungs- und Förderzentren soll gestärkt werden, damit ein Übergang in Förderschulen nicht notwendig wird. ·         Die Fähigkeiten der Schulen in sozialer Hinsicht müssen durch lebensweltbezogene Schulsozialarbeit ausgebaut werden. Die bisher eingesetzten Mittel zu erhöhen, ist vor dem Hintergrund der positiven langfristigen Wirkungen auch unter Kostengesichtspunkten gerechtfertigt. ·         An den Hauptschulen bzw. Hauptschulzweigen setzen wir uns für eine flächendeckende Einführung praxisorientierten Unterrichtes ein, um die weiterhin hohe Quote von Jugendlichen ohne Abschluss zu senken. Das derzeitige Konzept der SchuBklassen lehnen wir wegen der ausgrenzenden Wirkung ab. ·         Die Beruflichen Schulen in Biedenkopf und Kirchhain müssen als wichtige Standortfaktoren erhalten und bei ihrer Anpassung an die neuen Herausforderungen (landesweite Ausbildungsgänge, Konzentrationen etc.) unterstützt werden. ·         Wir wollen das Gymnasialangebot an allen Schulen erhalten und einzelne Schulen stärken. Dies gilt für die neue IGS in Neustadt, die Freiherr-vom-Stein-Schule in Gladenbach und die Schulen im Umfeld von Marburg in Heskem, Niederwalgern und Wetter. ·         In Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe soll die Aufklärungsarbeit in Schulen zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten ausgebaut werden. ·         Die vom Land verhängten Kürzungen des außerschulischen Bildungsangebotes im Jugendwaldheim Rossberg müssen zurückgenommen werden.

Universität Die Philipps-Universität in Marburg bietet für den gesamten Landkreis große Entwicklungschancen. Daher muss der Landkreis auch gegenüber dem Land Hessen auf eine Stärkung dieser Institution bestehen. Wir Grüne lehnen die Privatisierung der Universitätsklinika Gießen und Marburg ab. Wir sehen erhebliche Risiken sowohl für die Qualität der medizinischen Versorgung als auch für Wissenschaft und Forschung und die Beschäftigten[B1] . Chancengleichheit für die Möglichkeit der Aufnahme einer akademischen Ausbildung muss für alle Studierenden unabhängig von der sozialen Herkunft gegeben sein. Bündnis 90 / Die Grünen Marburg-Biedenkopf lehnen daher die Einführung von Studiengebühren jeglicher Art aufgrund der damit verbundenen Folgen auch für die über 19.000 Studierenden in Marburg konsequent ab. Bildung ist ein Grundrecht und darf nicht zur Ware verkommen, die sich nur noch wenige leisten können. Die Grünen Marburg-Biedenkopf wenden sich gegen die zunehmende Hierarchisierung innerhalb der Universitäten. Wir unterstützen ausdrücklich die Stärkung von demokratischen Strukturen an der Universität durch den Erhalt und die Förderung der studentischen Selbstverwaltung im Studierendenparlament, im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und in der akademischen Selbstverwaltung wie z. B. dem Senat der Philipps-Universität und in anderen Gremien. Das Mitspracherecht von Studierenden und MitarbeiterInnen muss weiter ausgebaut werden. Die Finanzierung der studentischen Selbstverwaltung an der Höhe der Wahlbeteiligung zu orientieren, lehnen wir ab.

Lebenslanges Lernen – Weiterbildung Wer sich Zeit seines Lebens als Lernende oder Lernender begreift, der oder dem fällt es leichter als anderen, sich auf Veränderungen einzustellen. Qualifizierung und Neuorientierung werden für jede Einzelne und jeden Einzelnen immer wichtiger. Eine aktive Weiterbildungspolitik muss auf allen Ebenen erfolgen – von der Universität über private Weiterbildungseinrichtungen bis hin zur Volkshochschule. In einer immer stärker auf Weiterbildung setzenden Gesellschaft hat auch die Volkshochschule eine wachsende Bedeutung. Sie ist notwendig, um Menschen aller Schichten Zugang zu Wissen zu ermöglichen und dient nachhaltig der Sicherung von Arbeitsplätzen. Wir wollen: ·         dass die Philipps-Universität als wichtiger Partner in der Region begriffen wird und eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises aufgebaut wird; ·         die Zusammenarbeit der Bildungsdienstleister in der Region, insbesondere der Universität sowie der Volkshochschulen des Landkreises und der Stadt Marburg fördern, ·         die Arbeit der Volkshochschule des Landkreises als zukunftsweisende Bildungseinrichtung stärken, die Kooperation mit der VHS der Stadt Marburg intensivieren, ·         für Frauen auch karrierefördernde Angebote machen, ·         die Bildungsregion Mittelhessen stärken und die Institutionen im Landkreis für eine Mitwirkung an dieser Idee stärker als bisher gewinnen.  <link typo3 ext rte app msocomoff>[B1]Ist das mit der Privatisierung nicht längst vorbei?