16.01.25 –
Beschluss:
Der Kreistag beauftragt den Kreisausschuss, in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderungsge
sellschaft Marburg-Biedenkopf mbH, den Bedarf an Wohnangeboten für Auszubildende und Stu
dierende in dualen Studiengängen an den Industriestandorten Biedenkopf und Stadtallendorf zu
ermitteln. Bei einer positiven Bedarfsermittlung sollen im nächsten Schritt mögliche Wohnkonzepte
sowie Betreibermodelle im Bereich Junges Wohnen geprüft werden.
Begründung:
Studierende in dualen Studiengängen und vor allem Azubis stehen vor größeren finanziellen Her
ausforderungen. Mit einem vergleichsweise geringen Gehalt ist es insbesondere im ländlichen
Raum schwierig, geeigneten Wohnraum zu finden, der auf Junges Wohnen zugeschnitten ist. Ge
rade kleinere Mietwohnungen mit ein bis zwei Zimmern sind selten, ist der Ländliche Raum doch
vor allem durch EFH geprägt. Daher sind viele Jugendliche und junge Erwachsene gezwungen,
entweder längere Pendelstrecken in Kauf zu nehmen oder sich auf Ausbildungsangebote in ihrer
Herkunftsregion zu beschränken. Beide Optionen setzen in der Regel den Besitz und Unterhalt ei
nes Autos voraus, was mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden ist.
Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat eine Vielzahl an attraktiven mittelständischen Unternehmen
und sogenannten Hidden Champions, die dringend auf Fachkräfte auch außerhalb der Region an
gewiesen sind. Der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum ist ein entscheidender Faktor, um junge
Menschen in die Region zu locken und sie langfristig hier zu halten. Wer während der Ausbil
dungszeit eine Wohnmöglichkeit in der Nähe seines Arbeitsplatzes findet und sich hier wohl fühlt,
hat bessere Chancen, nach erfolgreicher Qualifikation auch im Landkreis zu bleiben. Dies stärkt
nicht nur die Unternehmen, sondern auch den Wirtschaftsstandort als Ganzes.
Das Bundesprogramm „Junges Wohnen“ eröffnet neue Perspektiven, um gezielt in den Ausbau
von Wohnraum für junge Menschen zu investieren. Indem der Landkreis frühzeitig die Bedarfe an
den Industriestandorten Biedenkopf und Stadtallendorf ermittelt, können die Chancen einer mögli
chen neuen Förderperiode proaktiv genutzt werden. Dies würde sowohl den Azubis und Dualen
Studierenden als auch den ansässigen Unternehmen zugutekommen und langfristig die Wettbe
werbsfähigkeit des Landkreises sichern.
Kommt es zu Neubau, ist zu bedenken, dass Azubis und Duale Studierende in der Regel die Vor
aussetzungen für einen Wohnberechtigungsschein erfüllen. Damit kommen auch Wohnungen in
Frage, die mit Mitteln der sozialen Wohnraumförderung errichtet wurden. Diese Förderprogramme
können auch bei der einzelbetrieblichen Schaffung von Azubi-Wohnungen einschlägig werden und
dazu beitragen, die Finanzierung wirtschaftlich und mit bezahlbaren Mieten für die Azubis zu reali
sieren.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat sich wiederholt für den Ausbau von Azubi-Wohnhei
men ausgesprochen. Solche Projekte fördern die Mobilität und erhöhen die Zahl derjenigen, die
eine Ausbildung auch außerhalb ihres bisherigen Wohnortes in Erwägung ziehen. Positive Fallbei
spiele aus anderen Landkreisen zeigen, wie Azubi-Wohnen erfolgreich umgesetzt werden kann:
• Azubikampus Fulda:
o Im Jahr 2019 eröffnet, bietet der Azubikampus Fulda Mikro-Apartments und Gemeinschaftsräume.
o Es umfasst auch Bildungsangebote, wie „Survival Skills“ (z. B. Steuererklärung,
Versicherungen), die junge Menschen in ihrer neuen Lebensphase unterstützen.
• Ausbildungshaus Heidelberg:
o Hier werden bezahlbare Wohnmöglichkeiten für Azubis mit einer engen Anbindung
an Berufsschulen und Unternehmen kombiniert.
o Das Konzept fördert die Attraktivität der dualen Ausbildung und schafft ein unterstützendes Umfeld
• Stadtwerke München: Wohnen am Dantebad:
o Die Stadtwerke bieten Azubis und jungen Mitarbeitenden bezahlbaren Wohnraum in
zentraler Lage mit guter Verkehrsanbindung.
o Dieses Modell kombiniert Wohnen mit sozialer Unterstützung, um die Bindung an
den Standort zu stärken.
• GWG Ingolstadt – GreenHouse:
o Dieses Projekt legt Wert auf nachhaltiges Bauen und günstige Mietpreise.
o Gemeinschaftsräume und Freizeitangebote fördern ein soziales Umfeld.
• Azubiwerk Hamburg:
o Ein Vorreiter in der gezielten Förderung des Azubi-Wohnens.
o In Zusammenarbeit mit der Stadt und privaten Partnern wurden mehrere Wohn
heime speziell für Azubis realisiert.
o Das Azubiwerk bietet auch soziale und berufliche Beratungen
• Job und Wohnen Genossenschaft Berlin:
o Eine Genossenschaftsinitiative, die günstige Mietwohnungen für junge Menschen
bereitstellt.
o Das Modell betont die Selbstorganisation der Bewohner und eine nachhaltige Finanzierung.
Wichtig ist: es gibt nicht die eine Antwort auf Junges Wohnen während der Ausbildung. Daher soll
gemeinsam mit den Akteur*innen der Region (Unternehmen, THM, Berufliche Schulen, Woh
nungsbaugesellschaften und den Kommunen etc.) verschiedene Modelle für Bau, Kauf und Betrieb
erörtert werden. Durch finanzielle Beteiligungen, Bereitstellung von Grundstücken oder Gebäuden
sowie langfristige Mietgarantien könnten z.B. Unternehmen aktiv zur Realisierung eines solchen
Wohnprojekts beitragen. Gleichzeitig könnten Unternehmen durch die Mitgestaltung des Wohnpro
jekts spezifische Bedürfnisse ihrer Auszubildenden einbringen, etwa durch die Nähe zu Betrieben,
angepasste Infrastruktur oder flexible Mietkonditionen. Ein solches öffentlich-privates Kooperati
onsmodell würde sowohl den Fachkräftebedarf der Wirtschaft sichern als auch die Attraktivität des
Standorts für junge Menschen außerhalb der Grenzen Marburg-Biedenkopfs erhöhen.
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Stephanie Theiss Michael Meinel
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