Stadt der Bildung

Wissen ist ein zentraler Faktor für den Bestand und die Entwicklung einer Gesellschaft. Die Qualität der Bildung und der Wissenschaft beeinflussen in großem Maße ihre Perspektiven, vor allem in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland. Unsere Zukunft ist deshalb abhängig von dem Bildungsniveau der Bevölkerung und von den Lösungen, die die Wissenschaft für die sozialen, ökonomischen und ökologischen Anforderungen und Probleme entwickelt.

Deshalb sind Investitionen in Bildung und Wissenschaft für die GRÜNEN wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Politik. Kommunalpolitik muss hier ihre Verantwortung erkennen und wahrnehmen, anstatt Bildung nur als Kostenfaktor zu verstehen.

Der möglichst frühe Zugang zu Bildung und die Ermöglichung lebenslangen Lernens sind entscheidend für Chancengleichheit und Zukunftsfähigkeit. Sie sind Voraussetzung und Grundlage für das demokratische Gemeinwesen und die selbstverantwortliche Mitgestaltung der Einzelnen am gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Geschehen. Im Kindergarten werden entscheidende Grundlagen für Lust am Lernen, Sozialkompetenz und gesellschaftliche Integration gelegt.

 

Von der modernen Schule erwarten wir, dass sie vor allem schülerorientiert arbeitet und sozial gerecht ist. Diese Schule, die unsere Kinder unabhängig von ihrer Herkunft auf die Zukunft vorbereitet und die ihnen alle Chancen öffnet, ist als Ganztagesschule organisiert. In ihr werden Kinder individuell gefördert und haben Zeit zum Lernen. Schule muss demokratisch organisiert sein und sich so weit wie möglich selbst verwalten. Die Zukunftschancen unserer Kinder sind unsere zentralen Großprojekte, wir wollen daher in Köpfe statt in Beton investieren.

In Marburg stehen Bildung und Wissenschaft im Zentrum: wir sind eine Stadt der frühkindlichen Bildung, der Schulen, der beruflichen Bildung, der universitären Bildung, der Weiterbildung und der Forschung.

 

  1. Kinder – Frühkindliche Bildung

    Die eklatanten Versäumnisse des Landes bei der Förderung und Unterstützung von Kindern im Alter von 0 bis 14 Jahren und ihren Familien können von den Kommunen nicht ausgeglichen werden. Es ist ein Skandal, wie das wichtige Entwicklungsstadium der unter 6-Jährigen vernachlässigt wird wie auch die Einrichtung von Ganztagsschulen. Besonders ärgerlich ist der Wortbruch der Landesregierung bei der neuen Mindestverordnung bezüglich eines höheren Betreuungsschlüssels für die frühkindliche Betreuung und Bildung. Sie bestraft Kommunen wie Marburg, die von sich aus und frühzeitig in die Verbesserung der Standards investiert haben und verweigert den zugesagten Zuschuss. Sie belohnt umgekehrt Kommunen, die bisher noch nicht in zusätzliches Personal investiert haben. Vor diesem Hintergrund ist das Ansinnen der CDU Stadtfraktion, das 2. Kindergartenjahr kostenfrei anzubieten, reiner Populismus, der die Versäumnisse der Landesregierung zu überspielen versucht.

    Schulgeldfreiheit und die von grün-rot wieder eingeführte Studiengebührenfreiheit sind wichtige Bestandteile einer an Chancengleichheit orientierten Bildungspolitik. Im Sinne der Chancengerechtigkeit müsste es auch selbstverständlich sein, dass es für die Betreuungs- und Bildungseinrichtungen von Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren Gebührenfreiheit gibt. Da Hessen im Unterschied etwa zu Rheinland-Pfalz sich hier aus der Verantwortung zieht, hat die Stadt Marburg versucht, einige der Versäumnisse auszugleichen. Keine hessische Kommune hat so viele Betreuungsplätze geschaffen, moderne Konzepte realisiert und gleichzeitig Angebote der Gesundheitsprävention und frühen Bildung aufgebaut wie die Stadt Marburg unter ihrem GRÜNEN Bürgermeister. Unter GRÜNER Zuständigkeit gab es

    • eine immense Ausweitung von Betreuungsmöglichkeiten vor allem für unter 3-jährige Kinder,

    • differenzierte Angebote (vom Waldkindergarten über Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft bis Montessorikindergarten), den Interessen von Kindern und Eltern entsprechend,

    • Gebührenbefreiung für Familien mit geringem Einkommen,

    • gleiche Gebühren für alle Kinderbetreuungseinrichtungen, egal welches Alter die Kinder haben und ob sie bei Tagesmüttern oder in kirchlichen, städtischen oder anderen Einrichtungen betreut werden.

    Unsere Betreuungseinrichtungen sind keine Aufbewahrungsanstalten. In der frühen Kindheit werden die Weichen für Teilhabechancen und Zukunftsperspektiven gestellt. Das bedeutet aber nicht, dass Vierjährige Vokabeln pauken müssen. Krippen und Kindergärten sollen vielmehr Orte sein, in denen Spiel, Entdeckung, Erfahrung, Helfen und Bildung im Mittelpunkt stehen. Die vielfältigen und unterschiedlichen Talente aller Kinder, ihre Fähigkeiten, ihre Wissenspotenziale, ihre emotionale und praktische Intelligenz und das soziale Lernen wollen wir frühzeitig, altersgemäß und umfassend wecken und fördern. Wir wollen Eltern und die jeweiligen Fachkräfte dabei unterstützen, diesen Weg qualifiziert mitzugehen. Viele Impulse dafür kommen von freien Trägern der Jugendhilfe.

    Kinder brauchen Natur. Wir wollen dazu beitragen, dass alle Kinder sinnliche Erfahrungen in der Natur machen können, dass sie spielend die natürliche Umwelt wahrnehmen und Freiräume gestalten können. Waldtage, Lahnfloß und ähnliche Projekte. sollen daher feste Bestandteile des Kinderalltags sein.

    Die Tatsache, dass in unserer Gesellschaft gesunde Ernährung und ein natürlicher Bezug zur eigenen Körperlichkeit nicht selbstverständlich zur Entwicklungsgeschichte unserer Kinder gehört, macht es notwendig, jene zu fördern, deren Voraussetzungen erheblich beeinträchtigt sind. Deshalb wollen wir auch weiterhin Projekte unterstützen zur gesunden Ernährung in Kindertagesstätten, zur Förderung von Kindern psychisch kranker Eltern, zur Drogen- und Alkoholprävention, das Gesundheitsprojekt „Mittendrin“ u.a.

    Verstärkt sollen Kinder aus benachteiligten Familien und besonders Kinder, deren Eltern kein oder wenig deutsch sprechen, gezielt gefördert werden, um ihnen die gleichen Chancen wie den anderen Kindern zu ermöglichen. Viele freiwillig engagierte PatInnen tragen dazu bei, die wir weiter unterstützen wollen. Auch die aufsuchende Familienarbeit ist eine dafür wichtige Struktur, die wir ausbauen wollen.

    Um Kindern, die aus familiären Strukturen heraus gefallen sind, bessere Entwicklungschancen zu ermöglichen, wollen wir die familienähnlichen Kleingruppen auch weiterhin fördern.

    Wir GRÜNEN wollen

    • für die 0-3-Jährigen weitere Plätze schaffen. Allein im Krippenbereich wird es statt derzeit 230 Plätze Ende 2011 bereits 310 Plätze geben. Die Anzahl von Plätzen in altersgemischten Gruppen für Kinder unter 3 Jahren wird bis dahin von 82 auf 105 steigen und soll danach noch weiter ausgebaut werden. Die Anzahl der anerkannten Tagesmütterplätze liegt derzeit bei 184 (2006 gab es nur 110), sie soll dem Bedarf entsprechend weiter ausgebaut werden. Der Bund sieht hier eine Quote von 33 % vor, doch der faktische Bedarf in Marburg liegt weit höher. Schon jetzt haben wir die Vorgabe des Bundes mehr als realisiert, Ende 2011 werden es zwischen 38 und 40 % sein. Ein weiterer Ausbau ist vor allem deshalb erforderlich, weil in Marburg der besondere Bedarf der studierenden Eltern berücksichtigt werden muss;

    • Kindergartenhalbtagsplätze auf Ganztagsplätze ausweiten, zwar gibt es für alle 3-6-Jährigen einen Kindergartenplatz, aber nicht für alle ganztägig;

    • eine am Bedarf aller GrundschülerInnen orientierte Nachmittagsbetreuung mit Förderung sicherstellen (ein großer Teil davon ist schon realisiert), weil es für Schulkinder aber einen hohen Betreuungsbedarf gibt, das Land bisher nur sehr bescheidene Schritte für den Ausbau von Ganztagsschulen unternommen hat. Eltern, die vom Kindergarten oft eine Ganztagsbetreuung gewohnt sind, wissen beim Schuleintritt oft nicht, wie ihre Kinder nachmittags betreut werden sollen.

  2.  

  3. Jugendliche und Schule

    Schule soll ein Lebensort für Kinder und Jugendliche sein und keine Lernfabrik. Sie muss ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sozialer, kultureller, ethnischer und nationaler Herkunft die Möglichkeit haben, sich gemeinsam zu entwickeln, zu lernen und zu leben. Ein Ort, wo alle entsprechend ihren Fähigkeiten und Begabungen die ihnen adäquate Förderung erfahren, wo sie in ihrer Unterschiedlichkeit akzeptiert werden und wo sie sich in ihrer Unterschiedlichkeit akzeptieren.

    Dass dies - wie alle Pisa-Studien gezeigt haben - in Deutschland keineswegs selbstverständlich ist und immer noch die soziale Herkunft für die Bildung und damit die Zukunft der Kinder entscheidet, ist ein Skandal. Wenigstens auf kommunaler Ebene wollen wir alle Möglichkeiten nutzen, um zumindest partiell die Chancen für unsere Kinder zu verbessern und bestmögliche, qualitativ hochwertige Bildungsangebote zu gewährleisten. Die Trennung von „äußeren Schulangelegenheiten“ (Gebäude, ihre Pflege u.a.), für die die Stadt zuständig ist, und den „inneren Schulangelegenheiten“ (Unterrichtsinhalte, Lehrkräfte u.a.), die in der Zuständigkeit des Landes liegen, erschwert dies und ist immer weniger sinnvoll und zeitgemäß. Die GRÜNEN wollen sich deshalb stärker in die inhaltliche Weiterentwicklung der Marburger Schulen einmischen und fordern ein höheres städtisches Engagement.

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass die Jugendhilfe (wie bereits jetzt in einigen Projekten) neben der Schule verstärkt dazu beiträgt, benachteiligten Jugendlichen bessere Bildungschancen zu eröffnen und sie dabei unterstützt diese auch für sich zu nutzen. Jugendliche benötigen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes, verantwortungsbewusstes und glückliches Leben die Unterstützung der Politik. Das gilt vor allem für benachteiligte Jugendliche, deren jeweiliges individuelles Potential genauer analysiert werden muss, um es besser zu fördern und zu entwickeln;

    • Jugendlichen verstärkt auch im außerschulischen und unorganisierten Bereich die Möglichkeit eröffnen, die Natur als ihre Lebensumwelt wahrzunehmen und zu erfahren, welche Bedeutung der Schutz der natürlichen Bedingungen für ihre Zukunft hat. Die derzeitigen Landeskürzungen beim Jugendwaldheim Rossberg sind mehr als kontraproduktiv;

    • die Teilnahme von Kindern und Jugendlichen an der Ausgestaltung ihres Lebensumfeldes deutlich verstärken. Für einen solchen Ausbau der Partizipationsmöglichkeiten kann an erfolgreiche Strukturen angeknüpft werden, wie z.B. das Kinder- und Jugendparlament, die Beteiligung beim Bau von Spiel- und Bewegungsräumen und den Spiel- und Aufenthaltsorten in der Oberstadt. Daneben müssen auch nicht-institutionelle Beteiligungsformen gefördert werden;

    • Kinder und Jugendliche in die Gestaltung der Ganztagsschulen verbindlich einbeziehen und ihre großen Potentiale dafür nutzen. Das ist bisher gar nicht oder kaum geschehen;

    • die Kooperationsprojekte von Schulen und Trägern der Jugendhilfe, begleitet von der Service-Stelle Jugendhilfe/Schule als unverzichtbare Bestandteile einer Schule der Zukunft stabilisieren und weiter entwickeln. Die Marburger GRÜNEN waren hessenweit Vorreiter bei der Schaffung fester und verlässlicher Kooperationsbeziehungen in Augenhöhe zwischen Schulen und Trägern der Jugendhilfe;

    • das Projekt „Sozialpädagogisches Handeln an Schulen“, das sich an den Problemen der Kinder und Jugendlichen und nicht an denen der Institutionen orientiert, ausbauen und weiterentwickeln - auch mit Blick auf die halbherzige und unprofessionelle Planung von Ganztagsschulen. Die Stadt Marburg verfügt hiermit über einen weiteren Baustein für eine erfolgreiche, gleichberechtigte, integrierte Kooperation von Schule und Jugendhilfe;

    • die Unterstützung von Jugendlichen durch die Jugendberufshilfe für die Realisierung eines erfolgreichen Berufsstarts bedarfsgerecht ausbauen. Es ist ein Skandal, dass in Deutschland 10 % der Jugendlichen keinen Schulabschluss und noch mehr keine Ausbildungsmöglichkeit für einen qualifizierten Beruf haben. Auch wenn die kommunalen Möglichkeiten dafür begrenzt sind, wollen wir die Chancen der betroffenen Marburger Jugendlichen verbessern helfen. Es gibt bereits vielfältige Angebote der Jugendberufshilfe in öffentlicher und freier Trägerschaft (Beschäftigungs- und Ausbildungsprojekte, Qualifizierungsangebote Juko e.V., Stebb und Praxis GmbH), die am Bedarf der Jugendlichen entsprechend weiter entwickelt werden müssen;

    • dass sich die Schulen mehr zu ihrem Umfeld, zu Einrichtungen, Vereinen u.a. öffnen für einen lebendigen Austausch und nachbarschaftliche Kooperationen. Schule und Kinder können davon profitieren, z.B. durch die damit gegebene Möglichkeit direkter Beobachtung handwerklicher Tätigkeiten oder Patenschaften für Kinder mit sprachlichen Problemen;

    • die Schulvielfalt in Marburg, mit Schulen in staatlicher wie freier Trägerschaft stärken, ausbauen und verbessern;

    • den Ausbau der Marburger Schulen zu Ganztagsschulen unter Einbeziehung der lokalen Bildungsplanung mit ihren umfangreichen kulturellen, sozialen und sportlichen Angeboten als gleichberechtigtem Partner. Dass die Stadt Marburg als Schulträger weiterhin die Ausstattung der Schulen sowie die Schulraumsituation in Marburgs Schulen verbessert ist für uns GRÜNEN selbstverständlich. Mit der Lokalen Bildungsplanung (LBP) ist es uns seit einigen Jahren gelungen, verschiedene Akteure aus kulturellen, sportlichen und musischen Zusammenhängen in vielfältiger Form in die Schulen zu holen und damit das Lernen der SchülerInnen in die Gemeinde zu öffnen. Die lokale Bildungsplanung darf aber nicht zum Lückenbüßer für Versäumnisse des Landes beim Ausbau der Ganztagsschulen werden;

    • dass in den nächsten 10 Jahren die inklusive Schule in Marburg Regelschule wird, d.h., dass Kinder mit oder ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Die nun auch in Deutschland gültige „UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen“ begründet das Recht behinderter Kinder auf gemeinsamen Unterricht in einem „inklusiven Schulsystem“. Das bedeutet letztendlich die Abschaffung von Sonderschulen. Die Konzepte für die inklusive Schule sollen gemeinsam mit den LehrerInnen, den Eltern- und SchülerInnenvertretungen entwickelt und fachlich unterstützt werden. Die personellen und sachlichen Ressourcen dazu müssen vor allem vom Land den Schulen bald zur Verfügung gestellt werden;

    • dass der gesonderte Unterricht der Kinder mit körperlichen Behinderungen schon bald beendet wird. Hier fehlen zumeist nur entsprechende Assistenzen, damit diese Kinder die allgemein bildenden Schulen in Marburg besuchen können;
    • dass für einen gemeinsamen Unterricht auch von SchülerInnen mit Lernbehinderungen und dem Bedarf an Erziehungshilfe ein Übergangsszenario gestaltet wird, gemeinsam von Eltern, Kindern und Schulkollegien;

    • dass die 6-jährige Grundschule der Otto-Ubbelode-Schule als Regelangebot eines längeren gemeinsamen Lernens erhalten bleibt und weiterhin unterstützt wird. Schon 1985 haben deshalb die Marburger GRÜNEN die 6-jährige Grundschule damals als Modellprojekt bzw. Versuchsschule durchgesetzt;

    • dass längeres gemeinsames Lernen ohne frühe Auslese auch in der Integrierten Gesamtschule Richtsberg (IGS- Richtsberg) weiterhin möglich ist und in besonderem Maße gefördert wird. Die IGS-Richtsberg muss eine Sekundarstufe II bekommen, damit mehr SchülerInnen die Chance zum Abitur wahrnehmen, als dies bei einem Schulwechsel nach der 10. Klasse geschieht.

    • die Einbeziehung außerschulischer Lernorte, da Lernen nicht nur in der Schule stattfindet. Das Waldschulheim Rossberg ist z.B. für nicht-formales bzw. informelles Lernen wichtig und für ein zum besseres Verständnis von Natur und Umwelt. Es müssen Gelegenheiten vorhanden sein zum Erfahren sozialer Unterschiede und der Notwendigkeit von Solidarität, zum Begreifen von politischen, ökonomischen und ökologischen Zusammenhängen, zum Verständnis der Welt;

    • deshalb verstärkt Jugendlichen die Möglichkeit eröffnen, sich sozial zu bewähren durch Engagement und Verantwortungsübernahme für andere und damit selbstbewusst ihre eigenen Fähigkeiten außerhalb des formalen Lernens zu erkunden. Dies sollte nicht nur in längerfristigen und zeitintensiven Formen geschehen wie beim Freiwilligen Sozialen Jahr, sondern auch als Engagement neben der Schule für ein bestimmtes, von ihnen selbst ausgewähltes Projekt beim Sport, bei der Feuerwehr, mit Kindern, mit Älteren u.a. Es gibt viele Jugendliche, die sich freiwillig engagieren würden, wenn sie wüssten wo und wie. Die Kooperationen zwischen der Marburger Freiwilligenagentur und einigen Marburger Schulen zeigt einen Weg dafür, der ausgebaut werden sollte;

    • dass rund um die Schulen die Sicherheit der SchülerInnen absoluten Vorrang bei der Gestaltung der Verkehrssituation hat. Aus diesem Grunde fordern wir, dass die Leopold-Lucas-Straße zwischen dem Philippinum, der Elisabethschule und den Kaufmännischen Schulen für den Durchgangsverkehr gesperrt wird, damit sich Schüler und Schülerinnen frei und ungefährdet zwischen den Schulen bewegen können. Wir setzen uns auch dafür ein, dass die Uferstrasse im Bereich der MLS für den Verkehr gesperrt wird. Damit könnte der viel zu kleine Schulhof erweitert werden und die SchülerInnen sich ungefährdet auch auf den (autofreien) Lahnwiesen aufhalten können;

    • das Radwegenetz zu und zwischen den Marburger Schulen deutlich verbessern, damit möglichst viele SchülerInnen zur Schule fahren können (s.o. Mobilitätskonzept).

  4.  

  5. Weiterbildung – lebenslanges Lernen

    Bildungsmöglichkeiten für alle Phasen des Lebens sind entscheidend für gesellschaftliche Gerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit aber auch Zufriedenheit der Einzelnen. Sie werden in Marburg von einer Vielzahl öffentlicher und privater Träger angebotene. In diesem Feld tätig ist u.a. das Jugendbildungswerk, die Familienbildungsstätte, die Volkshochschule der Stadt Marburg, die Universität mit öffentlichen Veranstaltungen oder auch die Seniorenuniversität. Wer Zeit seines Lebens lernt, dem fällt es leichter als anderen, sich auf Veränderungen einzustellen. Qualifizierung und Neuorientierung werden für jeden Einzelnen immer wichtiger. Eine aktive Weiterbildungspolitik muss auf allen Ebenen erfolgen: in den Schulen, in der Universität, in privaten Weiterbildungseinrichtungen, in der Volkshochschule und in den Bibliotheken der Stadt und der Universität. Eine breite und alle Ebenen einschließende Förderung jeglicher Bildungseinrichtungen muss auch künftig den Bildungsstandort Marburg würdigen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass die Weiterbildungslandschaft in Marburg in ihrer Vielfalt erhalten bleibt und entsprechend dem Bedarf ausgebaut wird;

    • die Grundlagen für eine bessere Vernetzung zwischen allen Bildungseinrichtungen – der Universität, den Kindertagesstätten, den Schulen, den beruflichen Schulen, der Volkshochschule und den Weiterbildungsstätten – schaffen. Gerade im Bereich der weiterführenden Schulen kann die Vernetzung mit der Universität, etwa durch Schülervorlesungen oder im Rahmen von Propädeutika in der Oberstufe, vorangetrieben werden.

  6. Hochschule und Studierende

    Marburg ist eine Stadt, die maßgeblich von der Universität, Wissenschaft und Lehre, den dort Arbeitenden, den Studierenden, dem studentischen Leben und der studentischen Kultur geprägt ist. Die Philipps-Universität prägt die Erscheinung und den Charakter der Stadt, durch ihre Größe und Vielfalt, durch die Breite von Studiengängen und Disziplinen, durch ihre knapp 22.000 Studierenden, durch MitarbeiterInnen und Studierende aus vielen Nationalitäten. Die Attraktivität und Leistungsfähigkeit der Philipps-Universität werden durch das breite Spektrum geisteswissenschaftlicher, sozialwissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Fächer bestimmt. Die Marburger Universität muss deshalb eine Voll-Universität bleiben, mit einem breiten Fächerangebot. Die CDU-geführte Landesregierung hat in den vergangenen Jahren zahlreiche kleine Institute geschlossen, zum Teil in andere Universitäten verlagert und neue Schwerpunkte gesetzt. Das Konzept war nicht überzeugend und teilweise kontraproduktiv, Einsparungen dürfen nicht zum zentralen Kriterium für Strukturentscheidungen werden, das lehnen wir ab. Auch wenn die Stadt keine unmittelbaren Einflussmöglichkeiten auf die wissenschaftliche und strukturelle Entwicklung der Universität hat, muss sie klar Position beziehen gegenüber dem Land, wenn es darum geht, dass die Marburger Universität auch in Zukunft eine starke Position in Hessen und Deutschland beibehält und nicht weiter beschnitten wird. Dafür werden wir GRÜNEN uns vehement einsetzen.

    Forschung und Lehre dürfen nicht privatwirtschaftlichen Zwecken unterworfen und damit der für sie erforderlichen Unabhängigkeit beraubt werden. Für die GRÜNEN hat der Staat hier eine große gesellschaftliche Verantwortung, aus der er sich nicht stehlen darf. Aus unserer Sicht war der Verkauf der Marburger und Gießener Uniklinika durch die CDU-Landesregierung ein gravierender Fehler: dadurch kann die Qualität der medizinischen Versorgung nicht hinreichend sicher gestellt werden, für die Beschäftigten ist das Arbeitsplatzrisiko erheblich gewachsen und wie die Freiheit von Forschung und Lehre weiterhin garantiert werden kann, ist unklar.

    Soll die Universität als Ort des gesellschaftlichen Diskurses über die relevanten Fragen unserer Zeit weiterhin bedeutsam sein, so ist ihre demokratische Struktur zwingend notwendig. Die GRÜNEN fordern deshalb Transparenz und ein paritätisches Mitspracherecht aller universitären Gruppen.

    Die Bildungsreform der 1970er Jahre hat es erstmals ermöglicht, dass mehr Menschen ohne vermögende Eltern studieren konnten. Die hessische CDU-Regierung wollte diese Chance durch die Einführung von allgemeinen Studiengebühren beseitigen. Wir GRÜNEN haben zusammen mit der SPD die Abschaffung der Studiengebühren wieder durchgesetzt. Auch weiterhin wird es allgemeine Studiengebühren mit uns nicht geben.

    Wir GRÜNEN wollen

    • die Kooperation zwischen Stadt und Universität optimieren. Wir wollen hinsichtlich der Stadtentwicklung, der Kultur, der Wirtschaftsentwicklung, der Wohnmöglichkeiten vor allem für Studierende und der Lebensqualität Marburgs gemeinsamen Lösungen und zukunftsweisende Konzepte entwickeln. Dazu gehören umfassende wechselseitige Informationen und Beratungen;

    • auch nur kurzfristig in Marburg lebende Studierende und WissenschaftlerInnen in das Leben der Stadt einbeziehen und ihre Potentiale nutzen. Der damit verbundene Wechsel und die Dynamik machen einen Teil des besonderen Reizes unserer Stadt aus, sie stellen sie aber auch vor besondere Herausforderungen. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, hier anzukommen und dazu zu gehören. Auch Menschen, die nicht ihr ganzes Leben lang Marburgerinnen und Marburger sind, sollen am Leben in der Stadt teilnehmen und sich einbringen können. Nur wenn es gelingt, kulturell Anspruchsvolles, Innovatives, aber auch Ungewohntes miteinander zu verbinden und zu optimieren, wird Marburg weiterhin für kreative Köpfe aus aller Welt zu einem attraktiven Arbeits- und Lebensumfeld;

    • zur Verbesserung der Kommunikation mit den BürgerInnen der unterschiedlichen Nationalitäten, dass in öffentlichen Einrichtungen der Universität, wie etwa Museen oder Ausstellungen englischsprachige Erläuterungen selbstverständlich werden;

    • dass nach der gemeinsamen Planung die Stadt und die Universität den Umbau zur Campus-Universität am Alten Botanischen Garten und auf den Lahnbergen weiter gemeinsam vorbereiten und deren Umsetzung gegenüber der Landesregierung zeitnah und forciert betreiben;

    • dass der Neue Botanische Garten auf den Lahnbergen weiterhin als wissenschaftliche Einrichtung, aber auch als Lern- und Erholungsort für die Marburger Bevölkerung erhalten bleibt und durch das Land gefördert wird;

    • die Möglichkeiten erweitert sehen, um vorhandene Ansätze zum Wissens- und Technologie-Transfer aus universitärer Grundlagenforschung auch jenseits von unmittelbar wirtschaftlichen Verwertbarkeitskriterien auszubauen und zu intensivieren;

    • die Belange der in Marburg lebenden Studierenden grundsätzlich bei allen kommunalen Planungen berücksichtigt wissen. Dazu sollen auch regelmäßige Gespräche mit den gewählten VertreterInnen der Studierenden im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) stattfinden;

    • die seit Jahren geäußerte Forderung der Studierenden nach ökologischer und regionaler Versorgung in den Mensen unterstützen und Kooperationstrukturen fördern helfen mit den in diesem Feld bereits erfolgreich arbeitenden Kindertagesstätten;

    • für ausreichende und vielfältige Wohnmöglichkeiten für Studierende auch zukünftig sorgen (s.o. Stadtentwicklung). Das derzeitige erhebliche Anwachsen der Studierendenzahlen macht es besonders dringlich, dass studentisches Wohnen auch im und in der Nähe zum Stadtgebiet bezahlbar bleibt. Dabei müssen auch die besonderen Bedarfe von Studierenden mit Kindern berücksichtigt werden;

    • erreichen, dass sich die Stadt verstärkt bei der Universität für allgemeine und spezifische Weiterbildungsangebote einsetzt;

    • erreichen, dass die Stadt die Universität verstärkt dabei unterstützt, Marburg als Ort für die Ausrichtung wissenschaftlicher Kongresse attraktiver zu machen.