Stadt aller Generationen und der Solidarität

Ziel GRÜNER Politik ist es, nachhaltige Bedingungen für ein gesundes Leben in einer gesunden Umwelt zu schaffen. Es geht um die Ermöglichung körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens, in allen Lebensphasen und Lebenssituationen, auch bei Krankheit und Gebrechen. Dies ist eine permanente Herausforderung, der wir uns wieder stellen wollen. Chancengerechtigkeit, Generationengerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit sind das Fundament. Vor allem die Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen benachteiligt sind oder ohne fremde Hilfe kein eigenständiges Leben führen können, wollen wir unterstützen und uns für ein solidarisches Zusammenleben engagieren.

Die Marburger GRÜNEN haben bereits wichtige Etappen dieses Ziels erreicht: Marburg ist eindeutiger Vorreiter für neue soziale Ansätze und Initiativen in Hessen. Auch in den nächsten 5 Jahren wollen wir Familien, Kinder, Jugendliche, Senioren und Menschen mit besonderem Hilfebedarf dabei unterstützen, ein möglichst chancengleiches, fröhliches, teilhabendes und zufriedenes Leben zu realisieren. Wir können in Marburg dabei auf eine große Anzahl von Trägern und Einrichtungen bauen, die mit kreativem Engagement innovative Lösungen für zahlreiche und vielfältige Angebote im gesamten Sozialbereich geschaffen haben.

 

  1. Kinder und Familien

     

    Unterstützung der Kinder im vorschulischen Alter und Unterstützung ihrer Familien bedeutet vor allem, hinreichende und verlässliche Betreuungs- und Fördereinrichtungen bereit zu stellen. In welchem herausragenden Umfang die Stadt Marburg unter GRÜNER Verantwortlichkeit dies tut und weiter auszubauen gedenkt haben wir bereits im Kapitel ’Stadt der Bildung’, ausgeführt.

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  3. Jugendliche

     

    Vor allem benachteiligte Jugendliche brauchen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes, verantwortungsbewusstes und glückliches Leben in dieser Gesellschaft Unterstützung. Die CDU-geführte Bundes- ebenso wie die Landesregierung verweigert ausgerechnet diesen jungen Menschen die erforderliche Unterstützung. Mit ihren Haushaltsbeschlüssen hat die Bundesregierung nicht nur den Familien, die es wirklich brauchen, faktisch das Elterngeld entzogen, sondern der nachwachsenden Generation insgesamt die Verantwortung für die Bewältigung der Finanzkrise aufgebürdet. Und die Mittel für die Bildung haben trotz hehrer Ankündigungen der Bundesregierung und der Landesregierung nur eine bescheidene Dimension. Gleichzeitig hat die hessische Landesregierung – wie bereits vor einigen Jahren - die Sozial- und Bildungsprogramme radikal gekürzt und damit vor allem jenen Jugendlichen geschadet, die eine starke Unterstützung für eine realistische Lebensperspektive brauchen.

    Auch wenn uns bewusst ist, dass die Stadt diese Fehler, Versäumnisse und Kürzungen nicht kompensieren kann, wollen wir uns der Verantwortung stellen und die Jugendlichen bei ihrem Erwachsenwerden unterstützen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass Jugendliche über eigene Gestaltungsmöglichkeiten für ihre Freizeit und für außerschulische Aktivitäten verfügen, damit sie ihre Potentiale entfalten, ihre Subjektivität und Kritikfähigkeit entwickeln und festigen und zu starken Persönlichkeiten wachsen können. Sie brauchen pädagogik- und erwachsenenfreie Räume, nicht-kommerzielle, frei zugängliche Aufenthaltsmöglichkeiten für ihre selbstbestimmten Lernprozesse in Gleichaltrigengruppen. Dazu gehören Sport- und Bolzplätze und öffentliche Plätze für gesellige Treffen, Jugendräume und offene Angebote in Jugendeinrichtungen. Weil viele Jugendliche den Strukturen von Vereinen und Verbänden sehr reserviert gegenüber stehen, sollen - mit dem Kooperationsprojekt des bsj und den Sportverbänden - Vereine besser in die Lage versetzt werden, sich gegenüber den neuen Jugendszenen zu öffnen und diesen offene Angebote zu machen;

    • dass Jugendpolitik deutlicher die unterschiedlichen Vorstellungen und Bedürfnisse von Jungen und Mädchen, von jungen Frauen und jungen Männern wahrnimmt. Bei allen Angeboten der Stadt wie der freien Träger sollen deshalb geschlechtsspezifische Aspekte beachtet werden, sowohl bei Regelangeboten wie bei speziellen Förderungsmaßnahmen. Die unterschiedlichen Voraussetzungen und Wege des Aufwachsens von Mädchen und Jungen müssen deutlicher in den Blick genommen werden, um angemessene Angebote für beide Geschlechter zu machen. Wie bisher schon für Mädchen muss die Jugendhilfeplanung vermehrt im Blick haben und handeln, wenn Jungen einer besonderen Unterstützung bedürfen;

    • dass die Jugendhilfe in Kooperation mit den vorhandene Beratungsstellen prüft und gegebenenfalls tätig wird, ob es weiteren Unterstützungsbedarf für Mädchen und Jungen geben muss, die in besonderer Weise unter körperlicher oder seelischer Gewalt leiden oder Opfer von Missbrauch waren oder sind;

    • dass Jugendliche, deren Entwicklung durch besondere Schwierigkeiten belastet ist, durch ambulante und Lebenswelt orientierte Hilfsangebote unterstützt werden; das gilt auch für ihre Erziehungsberechtigten. Wir setzen uns deshalb für die Projekte „Drachenherz“ beim Blauen Kreuz“, „Auszeit“ beim bsj und für die Weiterentwicklung solcher Angebote ein, die Kinder und Jugendliche aus belasteten Zusammenhängen in ihrer Entwicklung begleiten und stärken und die Familienkompetenzen für die Problembewältigung weiterentwickeln, z.B. mit Projekten wie ‚Starke Eltern, starke Kinder;

    • dass gefährdete Jugendliche und Jugendliche, die zu Gewalt und Kriminalität neigen, rechtzeitig die erforderliche Hilfe und Unterstützung für ein verantwortungsbewusstes und selbstbestimmtes Leben erhalten. Soziale Integration und eine lebensweltliche und berufliche Perspektive müssen dabei im Zentrum stehen. Eine Öffnung der kulturellen, sportlichen, sozialen, ökologischen und kirchlichen Einrichtungen und vor allem der Vereine für diese Jugendlichen ist die Voraussetzung dafür. Dies ist, wie Untersuchungen zeigen, der beste Garant dafür, dass sich Jugendliche von Gewalt und Kriminalität fernhalten. Dafür setzen wir uns ein und unterstützen die Modellvorhaben;

    • dass auch suchtgefährdete und drogenabhängige Jugendliche eine gute Perspektive für ihr Leben entwickeln können. Wir werden uns für den Auf- und Ausbau einer kommunalen Präventionsstrategie mit einer stärkeren Vernetzung der verschiedenen Akteure (Ev. Sucht- und Drogenberatungsstelle, Blaues Kreuz, Kontaktladen der Aids-Hilfe, Drogenkonsumraum) einsetzen, damit diese Jugendlichen die erforderliche Beratung und Hilfe erhalten. Dazu gehört auch die frühe und intensive Förderung von Kindern und Jugendlichen in sog. Problemfamilien, Elternberatung usw. ;

    • dass die sozialpädagogische Betreuung jugendlicher Straftäter mit der Begleitung bei der Ableistung von Arbeitsstunden etc. und der Täter-Opfer-Ausgleich wie bisher unterstützt und den Erfordernissen angepasst werden;

    • die in Marburg seit vielen Jahren sehr erfolgreiche Arbeit und für Hessen vorbildlich ausgebildeten Streitschlichter und Mediatoren an Schulen weiterführen und weiterentwickeln, dies gilt auch für Busbegleiter und Buslotsen;

    • ohne die Situation zu dramatisieren, Jugendliche, die Probleme mit Gewalt und Kriminalität haben, durch die Förderung einer „Kultur des Hinsehens“ dabei unterstützen, sich den Weg in die Zukunft nicht zu verbauen. Mit der „Kultur des Hinsehens“ soll dazu beigetragen werden, dass mehr Erwachsene und Jugendliche sich für diese jungen Menschen verantwortlich fühlen und ihnen auch Grenzen bewusst machen.

     

  4. Kranke und Menschen mit Behinderung

     

    Alle BürgerInnen sollen die Chance und die Voraussetzungen für ein selbständiges und unabhängiges Leben haben. Vor allem für diejenigen, die dabei Unterstützung brauchen, weil sie krank, geistig, körperlich oder seelisch behindert sind, wollen wir die erforderlichen Hilfen zur Verfügung stellen und die Strukturen ihren Bedürfnissen entsprechend anpassen. Dabei gilt es einerseits dafür Sorge zu tragen, dass Basisbedürfnisse befriedigt werden können wie z.B. der Zugang zu Bildung und Kultur, zu Lebensmitteln, zur Gesundheitsversorgung usw. Zum anderen sind die öffentlichen Gebäude und Plätze so zu gestalten, dass sie von kranken und behinderten Menschen ohne größere Probleme genutzt werden können. Und schließlich müssen die Möglichkeiten für selbstständiges Wohnen deutlich ausgeweitet werden. Wir haben in Marburg in den letzten Jahren viel erreicht, aber noch nicht genug, damit die Teilhabe behinderter und kranker Menschen am ‚normalen’ Leben in unserer Stadt ohne Barriere möglich wird.

    Der demographische Wandel macht auch vor Marburg nicht Halt. Die wohnortnahe Gesundheitsversorgung wird in einigen Gebieten prekär, weil in den ländlichen Außenstadtteilen immer weniger ÄrztInnen praktizieren und die wachsende Zahl Hochaltriger nicht mit dem eigenen Auto nach Marburg zum Arzt fahren kann. Hier sind Lösungen zu entwickeln, die auch anderen, in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen, zugute kommen. Eine relativ einfache Möglichkeit ist die Verbesserung der Fahrtmöglichkeiten zu den zahlreichen ÄrztInnen der Innenstadt z.B. durch Anrufsammeltaxis, Rufbusse oder Bürgerbusse. Zum anderen müssen alternative, gut erreichbare Formen der Gesundheitsbetreuung entwickelt werden. Eine Möglichkeit könnte das Konzept „Gemeindepflege“ sein: ausgebildete Krankenpflegekräfte sollen die medizinische Grundversorgung in enger Kooperation mit einem Hausarzt (der nicht dauerhaft vor Ort ist) übernehmen, ähnlich wie die frühere Gemeindeschwester. Eine andere Möglichkeit wäre das Konzept der „ÄrztInnen auf Rädern“, die an festen Tagen der Woche Sprechstunden für Menschen in der Gemeinde abhalten. Ort für eine solche Sprechstunde könnte das Haus einer betreuungsorientierten Wohngruppe (s.u.) sein, an das auch die ambulante Pflege gebunden wäre. Wenn solche Strukturen etabliert werden können, wird es auch keine Schwierigkeiten bei der Lieferung von Arzneimitteln geben durch Fahrdienste der Apotheken.

    Solche Formen der Gesundheitsversorgung kommen nicht nur kranken und älteren Menschen, Müttern und Vätern mit Kleinkinder zugute, sondern auch Menschen mit Behinderung. Für sie muss darüber hinaus der öffentliche Raum umgestaltet und mehr Möglichkeiten für selbstständiges Wohnen geschaffen werden, damit sie nach ihren Vorstellungen leben und an den kulturellen, sozialen und geselligen Ereignissen in unserer Stadt teilhaben können.

     

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass der Behindertenbeirat und der Seniorenbeirat an der Entwicklung der Konzepte und an stadtgestalterischen Maßnahmen wie in der Vergangenheit beteiligt wird und die Angemessenheit der Maßnahmen prüft;

    • dass alle öffentlichen Räumlichkeiten und Einrichtungen barrierefreie Zugänge erhalten und darüber hinaus auch private Einrichtungen und Veranstalter die Zugangsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung verbessern;

    • dass die Teilnahmemöglichkeiten an den kulturellen, sportlichen, politischen u.a. Veranstaltungen und Ereignissen der Stadt (z.B. Nacht der Kulturen) auch dadurch optimiert werden, dass neue und kreative Gestaltungsmaßnahmen öffentlich ausgezeichnet werden, die dem Ziel dienen, die Zugangsmöglichkeiten für behinderte Menschen zu verbessern;

    • dass die freie Verfügbarkeit und die Entscheidung für Pflegemaßnahmen durch das ‚persönliche Budget’ für alle berechtigten Personen möglich wird;

    • dass die Mobilitätsbedingungen im öffentlichen Personennahverkehr und auf öffentlichen Straßen, Plätzen und Wegen weiter verbessert werden. Dazu gehören u.a.: barrierefreie Busse, Absenkung von Bordsteinen und vor allem der behindertengerechte Ausbau des Marburger Bahnhofs. Solange dies noch nicht realisiert ist, muss ein Überqueren der Gleise möglich sein;

    • dass der bestehende Mangel an bezahlbaren und zentrumsnahen barrierefreien Wohnungen auch mit städtischer Initiative und städtischen Zuschüssen behoben wird. Dabei ist auch das Wohnumfeld behindertenfreundlich zu gestalten;

    • dass der Zugang von behinderten Menschen zur Erwerbsarbeit auch durch die Stadt unterstützt wird;

    • dass die von Trägern unabhängige Beratungsmöglichkeit verbessert wird. Dafür soll das Beratungszentrum am Rudolfplatz - BIP - erweitert und das ganze Spektrum der Beratung auch für Kranke und Menschen mit Behinderung angeboten werden.

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  6. Menschen am Rande der Gesellschaft

     

    Auch wenn die Maßnahmen der schwarz-gelben Regierung derzeit immer mehr Menschen an den Rand der Gesellschaft drängen, wollen wir auf kommunaler Ebene alles tun, damit die Schere zwischen arm und reich hier in Marburg nicht weiter auseinander geht. Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, haben wenig Geld, sind zumeist ausgeschlossen von Arbeit, von Bildung, von den Grundbedingungen für ein gesundes Leben, und von politischer und gesellschaftlicher Teilhabe. Wir wollen dazu beitragen, dass diese MitbürgerInnen Chancen für ein eigenständiges Leben erhalten, in ihren Kompetenzen gestärkt und ihre Teilhabe- und Zugangsmöglichkeiten an den kulturellen, sozialen und anderen Einrichtungen der Gesellschaft besser werden. Deshalb haben die GRÜNEN bereits in der Vergangenheit die Arbeit der Gemeinwesenprojekte, die Projekte der Sozialen Stadt und der Beschäftigungsgesellschaften unterstützt und zu deren Weiterentwicklung beigetragen. Mit unserer Unterstützung ist auch die Anlaufstelle für Wohnungslose ausgebaut worden. Wo die Stadt bereit ist, Unterstützung zu leisten, erweist sich die Landesregierung als Bremser. Sie schiebt die Entscheidung für Maßnahmen der Sozialen Stadt im Waldtal und im Stadtwald auf die lange Bank. Und die Bundesregierung hat die Mittel für die soziale Infrastruktur einfach gestrichen.

    Wie erfolgreich diese Projekte sein können, hat sich am Richtsberg gezeigt. Deshalb müssen diese Strukturen erhalten und in Stadtbezirken wo dies erforderlich ist, fortentwickelt werden, entsprechend den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • die in den letzten Jahren ausgebauten Hilfen für Obdachlose, Nichtsesshafte und Durchreisende – die Tagesanlaufstelle, die Obdachlosenunterkünfte, das Übernachtungsheim für Obdachlose, die Suppenküche - weiter unterstützten. Weitere Übernachtungsmöglichkeiten und das Projekt gegen den Erfrierungstod (für Wohnsitzlose mit Tieren) müssen weiter ausgebaut werden;

    • dass die Tagesanlaufstelle der Aidshilfe, Safeway und der geplante Konsumraum weiter gefördert bzw. realisiert werden;

    • dass der Stadtpass vor allem auch diesem Personenkreis besser bekannt und zugänglich gemacht wird;

    • dass der Kreis der NutzerInnen des Stadtpasses erweitert wird;

    • dass die Stadtpassinhaber größere Vergünstigungen bei der Nutzung des ÖPNV erhalten und damit ihre Mobilitäts- und Teilhabemöglichkeiten verstärkt werden;

    • Angebote wie Tafel und Kulturloge, die leider in unserer Gesellschaft unverzichtbar geworden sind, weiterhin unterstützen;
    • dass im Rahmen der „Sozialen Stadt“ - trotz der Kürzungen der Bundes- und Landesregierung - die Projekte am Richtsberg möglichst fortgesetzt und neue im Waldtal und im Stadtwald entwickelt und umgesetzt werden.

     

  7. Ältere Menschen

     

    Das Bild und die Situation von älteren Menschen haben sich in den letzten Jahren sehr verändert: Wir werden immer älter, sind auch länger gesund. Ältere Menschen gestalten das Leben aktiv oft bis ins hohe Alter, engagieren sich für ihre Familien, aber auch für andere und in gesellschaftlichen Projekten. Bei sich verschlechternder körperlicher und geistiger Verfassung im hohen Alter gibt es einen wachsenden Bedarf an Pflege und Hilfe, die zumeist durch Familienangehörige erfolgt, unterstützt durch professionelle Dienste. Aber immer öfter haben alte Menschen keine Angehörigen mehr, die sie begleiten und betreuen könnten.

    Fast alle älteren Menschen möchten selbstbestimmt leben, gleichgültig ob sie noch aktiv sind oder Unterstützung und Hilfe brauchen. Sie möchten ihre Fähigkeiten, ihre Erfahrungen und ihr Wissen für sich selbst und andere einsetzen. Auch wenn dies nur noch eingeschränkt möglich ist, wollen sie möglichst in ihrem vertrauten Umfeld weiter leben. Das ist ein eindeutiger bundesweiter Trend und das zeigen auch die jüngsten Befragungen in den Stadtteilen.

    Diese veränderten Bedingungen und Vorstellungen vom Leben im Alter machen eine andere Politik für ältere Menschen notwendig und erfordern von Allen Lernprozesse und beträchtliche Anpassungsleistungen - jeder wird zum ersten Mal alt – .

     

    GRÜNE Altenpolitik geht deshalb von folgenden Grundsätzen aus:

    • Kommunale Altenpolitik muss sich an der Bedürfnislage der älteren Bürgerinnen und Bürger orientieren und die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen bzw. ermöglichen.
    • Sie muss die unterschiedlichen Interessen, Traditionen, Lebensformen und die damit verbundene Vielfalt der Bedürfnisse älterer Menschen, auch von Migrantinnen und Migranten berücksichtigen.
    • Sie muss die gerade im Alter wachsende Notwendigkeit von sozialen Bezügen und der Anpassung an die stetigen Veränderungen der gesellschaftlichen Bedingungen beachten.
    • Bei der politischen Gestaltung von Rahmenbedingungen sind die betroffenen Personen, ihre Angehörige und Seniorenorganisationen sowie Einrichtungen, Vereine und Initiativen, die Angebote für ältere Menschen vorhalten, einzubeziehen;
    • Für Marburg als Oberzentrum ist die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und den Nachbarkommunen unabdingbar, auch im Hinblick auf dort bereits realisierte, interessante Projekte.
    • Die Kommune kann nicht alle Voraussetzungen für Selbstbestimmung im Alter in eigener Regie schaffen. Aber sie muss sich als Impulsgeber der Altenpolitik verstehen, sowohl hinsichtlich der erforderlichen Angebote wie auch ihrer Qualität.
    • Auch wenn die Stadt keine rechtliche Kompetenz zur Durchsetzung von Qualitätsstandards hat, kann sie Einfluss nehmen durch eine vorbildhafte Arbeit städtischer Einrichtungen, durch neue Ansätze und durch die öffentliche Diskussion und Bewertung der Qualitätsstandards.
    • Ein unabhängiges Beratungsangebot für ältere Menschen, wie es seit kurzem auch vom BIP ermöglicht wird, ist von großer Wichtigkeit. Es muss Angebote geben bezogen auf das Interesse, sich für andere zu engagieren, bezogen auf den Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu führen und hinsichtlich der Vorsorge für einen bestehenden oder zukünftigen Bedarf an Unterstützung und Hilfe usw.

     

    Lange Eigenständigkeit, die Einbindung in soziale Bezüge und die Mitgestaltung des sozialen und gesellschaftlichen Lebensumfelds machen nicht nur zufriedener, sondern reduzieren auch das Risiko der Pflegebedürftigkeit. Die Marburger GRÜNEN wollen deshalb die Voraussetzungen dafür in vielfältiger Weise unterstützen und fördern.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • bessere Informationen, Beratungen und Angebote für eine Vorbereitung auf den Lebensabschnitt Alter durch die Stadt in Kooperation mit Gewerkschaften, Arbeitgeber, Familienbildungsstätte, VHS und anderen in diesem Bereich tätigen Institutionen;

    • bessere Informationen und Angebote zum gezielten Training von Körper und Geist durch die Stadt in Kooperation mit Sportverbänden, Ärzten, VHS, Fitnessstudios, , usw.;

    • dass Strukturen der Mitbestimmung und Mitgestaltung nicht nur der individuellen Lebenssituation ausgebaut und neu entwickelt werden im Seniorenbeirat, durch Runde Tische, durch Stadtteilkonferenzen, usw.;

    • dass Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement Älterer in Kooperation mit der Freiwilligenagentur verbessert werden, durch Öffnung der Institutionen, Freiwilligenmanagement in den Vereinen/Verbänden, besondere Freiwilligentage;

    • dass es eine gezielte Unterstützung von Nachbarschaftsstrukturen und Seniorengenossenschaften gibt;

    • mehr Transparenz für Ältere bei der Information über Bildungsangebote von VHS, Familienbildungsstätte, Seniorenuniversität, Qualifizierungsprogramm der Freiwilligenagentur usw.;

    • verbesserte Teilhabe- und Mitgestaltungsmöglichkeiten von Älteren im Bereich der Kultur;

    • dass bestehende gemeinsame Aktionen von jung und alt (Patenschaften, Mehrgenerationenhaus und andere Projekte gestärkt und neue entwickelt werden.

     

    Die Bedürfnisse eigenständig und selbstbestimmt in der eigenen Wohnung zu leben, muss kommunale Altenpolitik auch dann respektieren und unterstützen, wenn Pflege, ergänzende Hilfe und Betreuung erforderlich werden. Kommunale Altenhilfe soll sich deshalb daran orientieren, dass für einen so weit wie möglich selbst gestalteten Lebensalltag die dafür notwendigen unterstützenden Hilfen vorhanden sind. Weder unzulängliche Bedingungen der Wohnung (gehbehinderte Person im 4. Stock ohne Aufzug), noch die Notwendigkeit umfassender Pflege oder der Wunsch der Angehörigen dürfen der Grund dafür sein, dass eine pflegebedürftige Person gegen ihre eigenen Wünsche in ein Pflegeheim gehen muss.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass die kommunale Altenpolitik umfassend Pflege, Wohnraumanpassung, Hilfeleistung für die Alltagsgestaltung usw. informiert und berät und den unterschiedlichen individuellen Situationen gerecht wird. Es ist eine bessere Vernetzung mit freien Trägern und mit den im Kreis vorhandenen Kompetenzen sicherzustellen. Gute Ansätze dafür gibt es im neuen Beratungszentrum BIP.

    • dass es eine Vielfalt an Unterstützungs- und Hilfeleistungen gibt und wenn erforderlich neu entsteht, damit die hilfebedürftigen Personen Wahlmöglichkeiten haben;.

    • sicherstellen, dass dies für alle Bereiche der Alltagsbewältigung gilt, d.h. auch für die sogenannten niedrig-schwelligen Dienste wie Hilfen im Haushalt und Garten, bei Behördenangelegenheiten, usw.;

    • dass es ein hinreichendes Angebot an Wohnraumberatung und Wohnungsbörsen gibt, um notwendige Veränderungen akzeptabel zu gestalten. Dies soll sich nicht nur auf die Umgestaltung der vorhandenen Wohnung beziehen, sondern auch auf alternative Wohnmöglichkeiten, allein, in Wohngemeinschaften, Hausgemeinschaften, Wohnquartieren usw. ;

    • dass bestehende, geplante und weitere alternative Wohnangebote wie WOGE, Ockershäuser Alle usw. durch die Stadt aber auch durch Wohnungsbaugesellschaften unterstützt werden;

    • dass die wohnortnahe ärztliche Versorgung sichergestellt wird;

    • dass wohnortnahe Rehabilitation zur Wiedererlangung von Kräften und Fähigkeiten möglich gemacht wird;

    • dass es ausreichende Angebote teilstationärer Pflege (Kurzzeit-, Tagespflege u.a.) gibt;

    • dass die guten Beispiele zum aktiven Alter, zur ambulanten Versorgung usw. in einer lokalen Datenbank präsentiert und Interessierten zugänglich gemacht werden.

     

    Die Mehrzahl älterer Menschen möchte auch bei Pflegebedürftigkeit nicht in Heimen leben, weil sie befürchten, ihre Eigenständigkeit, die Selbstbestimmung und Nähe zum sozialen Umfeld zu verlieren. Diese Einschätzung ist nicht unberechtigt. Deshalb muss kommunale Altenpolitik dafür Sorge tragen, dass die stationäre Altenpflege diesem Bedürfnis durch eine neue Qualität Rechnung trägt, neben hinreichenden Möglichkeiten für ambulante Pflege und Versorgung. Für uns GRÜNE N ist diese neue Qualität stationärer Versorgung in Marburg ein wesentliches Element einer auf die Zukunft gerichteten Altenpolitik. Der Bau oder Ausbau größerer Pflegeheime steht diesem Ziel im Wege, weil dadurch Überkapazitäten geschafft werden, die das Angebot an wohnortnahen Einrichtungen gefährden oder verhindern. Im Interesse ihrer älteren BürgerInnen sollte die Stadt deshalb Qualitätsmerkmale für die stationäre Versorgung entwickeln und propagieren.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass stationäre Versorgung in kleinen Wohneinheiten als betreuungsorientierte Hausgemeinschaften stattfindet;

    • dass diese Wohneinheiten dezentral, möglichst für alle Stadtteile zur Verfügung stehen;

    • und dass sie in die Wohnquartiere eingebunden sind;

    • dass die BewohnerInnen so weit als möglich an einer selbstbestimmten Gestaltung des Alltags beteiligt werden;

    • dass ihre noch vorhandenen Kompetenzen und Fähigkeiten ihrem Bedürfnis entsprechend eingesetzt, mobilisiert und aktiviert werden;

    • dass der Lebensalltag in den Wohneinheiten in die örtliche Gemeinschaft eingebunden wird und eine möglichst große Nähe zu ‚normalen’ Lebensbedingungen besteht;

    • dass an die Wohneinheiten möglichst auch weitere Dienstleistungen für den Stadtteil angebunden werden, wie die ambulante Versorgung Pflegebedürftiger oder Beratungsangebote, weil so auch die Angehörigen, Nachbarn und Ehrenamtliche in die Alltagsgestaltung besser mit einbezogen werden können. Davon profitieren auch die Stadtteile, sie werten sie als Wohnorte auf und können Anker sein für vielfältige weitere Angebote vor Ort;

    • in Marburger Stadtteilen dem jeweiligen Bedarf entsprechend wohnortnahe stationäre Versorgungsstrukturen mit jeweils maximal 10 bis 12 Plätzen schaffen. Sie könnten, neben den genannten Angeboten, mit anderen öffentlichen Einrichtungen und Angeboten vor Ort vernetzt sein, wie Kindergärten, Schulen, Schulkantinen, Bibliotheksangeboten usw.;

    • dass die Marburger Alterhilfe St. Jakob die treibende Kraft für diese Entwicklung ist;

    • dass in bestehenden Pflegeheimen neue Wohnstrukturen und Wohngemeinschaften auch für Menschen, die einen hohen Hilfebedarf haben (z.B. Wohngemeinschaften für Demenzkranke) entstehen.