Natürliche Lebensgrundlagen

Marburg ist eine grüne Stadt mit gesunden Lebensbedingungen und hoher Aufenthaltsqualität, sie verfügt über naturnahe Erholungsräume in der Stadt. Die Voraussetzungen dafür – der Fluss, die Grünflächen, der Wald, das Wasser, die Luft, das Klima - müssen erhalten und wo notwendig wieder hergestellt oder ausgebaut werden. Unsere lokale Umweltpolitik bezieht sich deshalb auf das gesamte Spektrum des Umweltschutzes: den Lärmschutz, den Bodenschutz, den Schutz des Trinkwassers, den Hochwasserschutz, die Reinhaltung der Luft, eine Abfallbeseitigung, durch die keine neuen Umweltschäden entstehen, sowie den Schutz vor Lichtverschmutzung.

 

  1. Die Lahn, Fluss mitten in der Stadt

     

    Marburg nutzt immer noch viel zu wenig seine natürlichen Qualitäten, wie etwa den Fluss mitten in der Stadt als möglicher Ort der Begegnung, der Erholung, der Frischluft, der Muße, der ökologischen Erfahrung usw. Wir GRÜNEN wollen die Stadt noch mehr zur Lahn öffnen und sie verstärkt als Potential der Lebensqualität nutzen. Wichtige Schritte dazu haben wir in den vergangenen Jahren durch den Abbau der Parkplätze am Lahnufer und die Treppengestaltung der Deichanlage bei der Mensa gemacht. Wir GRÜNEN wollen den Lebensraum der Lahnwiesen in der Innenstadt und im Südviertel nach ökologischen Grundsätzen weiterentwickeln für eine zeitgemäße Nutzung mit ufernahem Naturerlebnis und Grünzonen.

    Dafür brauchen wir ein Nutzungskonzept Lahnauen, bei dem die Vorschläge der Lahnstudie geprüft und schrittweise umgesetzt werden sollen.

    Die Lahnrenaturierung hat auch an weiteren Stellen große Fortschritte gemacht: im Stadtteil Wehrda wurden großflächig Deiche zurückverlegt. Dort und im Cappler Feld wurde eine naturnahe Auenentwicklung ermöglicht, es wurden die Naherholungsgebiete und im außerstädtischen Bereich die Zonen des Naturschutzes erweitert.

    Auch die anderen vorhandenen Grünflächen in der Stadt müssen bewahrt und aufgewertet werden. Das gilt in besonderer Weise für den alten botanischen Garten in der Innenstadt, dessen Bestand auch im Zuge der Campus-Neuplanungen der Universität geschützt werden muss.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • ein Konzept zur ökologischen Nutzung der Lahnauen;

    • die durch GRÜNE Initiative begonnenen Renaturierungsmaßnahmen an der Lahn weiter fortsetzen und auf weitere Gewässer, wie beispielsweise die Allna, ausdehnen;

    • zur Verbesserung des Hochwasserschutzes Flächen zur Retention schaffen;

    • Deiche weiter sanieren;

    • restriktiv bei Bauvorhaben in Überschwemmungsgebieten vorgehen;

    • ackerbaulich genutzte Flächen in Überschwemmungsgebieten in Grünland umwandeln, um u.a. Nitrateinträge in das Gewässer zu vermindern und die ökologische Situation der Auen zu verbessern.

     

  2. Flächen- bzw. Landschaftsverbrauch stoppen

     

    Der Bodenist neben Luft und Wasser unentbehrlich für unser Leben. Er erfüllt zahlreiche Funktionen, die für uns Menschen und für den Erhalt der Ökosysteme von grundlegender Bedeutung sind. Deshalb müssen Böden und deren Funktionen vor nachteiligen Einwirkungen geschützt, sparsam und schonend genutzt werden. In Deutschland wird täglich eine Fläche von mehr als 100 Fußballfeldern verbraucht. Obwohl immer weniger Menschen unser Land bewohnen, dehnen sich die Siedlungen im Umfeld der Städte immer weiter aus. Gleichzeitig nehmen Brachflächen und Leerstand in zentralen Lagen zu.

    Wir Grünen wollen uns deshalb dafür einsetzen, dass in Marburg weniger neue Flächen in Anspruch genommen oder zusätzliche Baugebiete am Stadtrand ausgewiesen werden. Stattdessen sollen brachliegende Flächen mobilisiert und bereits erschlossene Flächen genutzt werden. Hauptziel des kommunalen Bodenschutzes ist die Reduzierung des Flächenverbrauchs bzw. der Flächeninanspruchnahme. Intakte Böden sollen vor zerstörerischen Nutzungen geschützt werden. Für das GRÜNE Ziel einer nachhaltige Flächenkreislaufwirtschaft, bei der bereits vorgenutzte und erschlossene, aber inzwischen nur wenig oder nicht mehr genutzte Flächen (z.B. Waggonhallengelände) stärker bzw. neu genutzt werden, ist ein Bauflächen- und Brachflächenkataster dringend erforderlich.

    Mit einer maßvollen Innenverdichtung sind einerseits die kulturellen und sozialen Bezüge der Quartiere zu sichern, damit die Identität der Stadtteile und Bezirke bewahrt werden. Andererseits müssen dabei aber auch ökologische Standards zum Tragen kommen und in der Bauleitplanung und beim Bauen festgeschrieben werden. Bei Baumaßnahmen fehlt oft das fachliche Know-how über die Gefährdung des Bodens z.B. durch Bodenverdichtung, Wurzelschäden, unsachgemäße Rodung, Abfälle etc. Wir wollen deshalb ökologische Standards für den Bauprozess entwickeln, die der Orientierung dienen. Bauherren sollen auf Grundlage ihrer Planungsunterlagen auf Problempunkte, zu schützende Naturgüter etc. bereits bei den Baubesprechungen hingewiesen werden.

    Neben dem Schutz des Bodens im bebauten Bereich der Stadt und der Stadtteile gilt es auch die natürlichen Lebensgrundlagen in der freien Landschaft zu schützen oder wenigstens einen Ausgleich für Eingriffe in die Natur und Landschaft zu sichern.

    Mit der Prioritätenliste für die Bauleitplanung in den Außenstadtteilen ist bereits ein guter Anfang gemacht für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Boden. Darüber hinaus gibt es auf kommunaler Ebene weitere Möglichkeiten Boden zu schützen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass der Boden bei allen Planungen und Projekten der Stadt (Bauleitplanung, Flächeninanspruchnahme durch Hoch- und Tiefbauten) als Schutzgut berücksichtigt wird;

    • dass überflüssige Versiegelungen vermieden oder zurückgebaut werden;

    • ökologische Standards für den Bauprozess entwickeln;

    • dass die Pflege der Freiflächen durch die Stadt nicht zu einer Belastung der Böden führt und dieser schonende Umgang für die BürgerInnen zum Vorbild wird;

    • Flächenrecycling, d.h. Flächen mit schädlichen Bodenveränderungen und Altlasten sanieren, damit diese neuen Nutzungen zugeführt werden können;

    • die Erstellung eines Brachflächenkatasters, in dem die zur Bebauung geeigneten Flächen dargestellt und Informationen zu den ehemalig überwiegend gewerblich/industriell genutzten Brachflächen systematisch und übersichtlich in einer Datenbank verwaltet werden;

    • durch die transparenten Daten über die Brachflächen auch für eine schnelle Vermarktung und Reaktivierung der Flächen beitragen;

    • die Mitgliedschaft der Stadt im europäischen Boden-Bündnis „ELSA“, um die Ernsthaftigkeit ihrer Anstrengungen für den Schutz des Bodens zu unterstreichen.

     

  3. Konsequenter Klimaschutz in Marburg

     

    Klimaschutz ist eine Pflichtaufgabe für alle Städte und Gemeinden. Für die Marburger GRÜNEN und ihren GRÜNEN Bürgermeister ist er eine besondere Herausforderung.

    Wir wollen in Marburg eine drastische Senkung der CO2 Emissionen erreichen. Wir GRÜNEN unterstützen deshalb, die Erarbeitung eines Klimaschutzkonzeptes. Wir fordern die Entwicklung konkreter Leitbilder und die Festlegung ehrgeiziger Zielsetzungen für Marburg. Zielsetzungen und Leitbilder sollen sich an den globalen Anforderungen zum Klimaschutz orientieren, aber den lokalen Kontext berücksichtigen und Schwerpunkte in der angestrebten Handlungsfeldern benennen. Bis Ende 2011 soll unter der Beteiligung lokaler Akteure (wie beispielsweise Pharmaserv, Universität und Schulen), der Politik und der Marburger BürgerInnen verbindliche Klimaziele und ein verbindlicher Maßnahmenkatalog für Marburg erarbeitet werden. Die Umsetzung soll konsequent vorangetrieben und regelmäßig überprüft werden.

    Klimaschutz ist für uns ohne die drei großen E’s nicht denkbar: Energieeinsparung, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien. Auf allen drei Ebenen können und müssen wir uns lokal engagieren und dafür auch innovative Lösungen zur Vereinbarkeit von Denkmalschutz und Klimaschutz entwickeln.

     

    Energieeinsparung

    Um die Vergeudung der fossilen Rohstoffe einzuschränken, ist vermeidbarer Energieverbrauch zu stoppen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • die energetische Sanierung der städtischen Gebäude weiter in Richtung Passivhausstandard vorantreiben; das ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll;

    • bei Neu- und Anbauten durch hohe Energiestandards dafür sorgen, dass von vornherein weniger Energie verbraucht wird, wie dies bereits bei einigen Gebäuden der Stadt umgesetzt wurde – beim Erweiterungsbau der Martin-Luther-Schule, der Kinderkrippe Marbach, dem Kindergarten Bauerbach;

    • am Richtsberg das Projekt „Sozialer Klimaschutz“ mit „warmmietneutraler Modernisierung“ gemeinsam mit den Wohnungsbaugesellschaften und den MieterInnen in den kommenden 15 Jahren so umsetzen, dass im Zuge der energetischen Sanierung die Wohnkosten für die MieterInnen nicht steigen.

     

    Energieeffizienz

    Energie kann bei gleichem Nutzen effizienter eingesetzt werden als häufig bekannt. Viele elektrische Geräte wie z.B. Kühlschränke oder Wärmepumpen sind nicht nur veraltet, sondern verbrauchen auch besonders viel Energie. Diese Einsparpotentiale müssen verstärkt genutzt werden.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dafür werben, dass alte “stromfressende” Maschinen (z.B. Heizungspumpen s.o., Kühlschränke) durch neue, stromsparende Geräte ersetzt werden;

    • eine erhöhte Sensibilität für sparsamere Alternativen beim alltäglichen Stromverbrauch z.B. bei der Beleuchtung;

    • auch die öffentliche Beleuchtung (Straßenlaternen) auf Formen mit geringerem Stromverbrauch umstellen;

    • uns dafür einsetzen, dass die “Stand-by”-Funktion wo immer möglich abgeschaltet wird.

     

    Ausbau der erneuerbaren Energien

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein zentrales Ziel der Marburger GRÜNEN und soll auch in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt unserer Politik sein. Die hier bestehenden Potentiale im Bereich der Solarthermie und der Photovoltaik, im Bereich der Windenergie, im Bereich der Biomasse und bei der Wasserkraftnutzung müssen verstärkt genutzt werden. Dies hat neben der positiven Wirkung für das Klima auch den ökonomisch wichtigen Effekt, dass die regionale Wirtschaft gestärkt wird.

     

    Windkraft in Marburg

    Wir GRÜNEN wollen einen dezentralen Energiemix aus erneuerbaren Energien. Und wir wollen ihn schnell und 100-prozentig!

    Dabei spielt Windkraft aufgrund ihrer Effizienz eine tragende Rolle. Eine einzige 1,5-Megawatt-Anlage kann rund 1000 Durchschnittshaushalte preiswert mit Strom versorgen. 10 Windkraftanlagen würden fast 2/3 des Marburger Strombedarfs decken!

    Wir GRÜNEN wollen unsere Verantwortung hier in Marburg annehmen!

    „Windkraft – Ja bitte, aber woanders“ ist eines der beliebtesten Argumente sogenannter Windkraft-Befürworter und BefürworterInnen. Das ist weder zielführend noch redlich. So wird die angebliche Verschandelung der Landschaft auf Mensch und Umwelt in anderen Gemeinden, Regionen und Ländern abgewälzt! Vielleicht ist es an der Zeit, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen. Oder würden Sie sagen, dass die Windmühlen in Holland die Landschaft verschandeln?

    Deshalb fordern wir GRÜNEN Vorranggebiete für Windkraft auf Marburger Stadtgebiet und die Untersuchung der Risiken und Chancen an diesen Standorten – auch auf den Lahnbergen! Wir wollen keinen ökologischen Unfug. Wir wollen klug planen und sorgsam umsetzen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • die Anzahl der bereits bestehenden Solarthermie-Anlagen (500) durch finanzielle Förderung der Stadt und der Stadtwerke vervielfachen, weil Solarthermie die effektivste und kostengünstige Form ist, Sonnenstrahlung in Wärme für Warmwasser und Heizung umzuwandeln;

    • den Ausbau der Photovoltaik-Anlagen auf Marburgs Dächern zur Produktion von sauberem Strom deutlich verstärken, nachdem in den letzten Jahren durch private und öffentliche Investitionen bereits mehr als 5 Megawatt (peak) im diesem Bereich geschaffen wurden;

    • mit einem weiteren Ausbau der Windkraftin Marburg mindestens 2/3 des von den Privathaushalten verbrauchten Stroms über Windkraft produzieren;

    • innovative Lösungen zur Vereinbarkeit von Denkmalschutz und Klimaschutz entwickeln.

    Der Klimaschutz kann jedoch nicht auf Energieeinsparung, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien beschränkt bleiben, denn der Klimawandel wird auch die Kommunen in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen: mehr Hitzetage, höhere Niederschläge in kürzerer Zeit, Ausbreitung fremder Tier- und Pflanzenarten. Obwohl sich Marburg nicht vor abschmelzenden Gletschern und einem ansteigenden Meeresspiegel fürchten muss, sind die Auswirkungen des Klimawandels auch für die Stadt relevant, nämlich bezüglich: Hochwasser, Landwirtschaft, Naturschutz, Bodenschutz, Wasserwirtschaft, menschliche Gesundheit, Grünflächen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass alle Planungen und Projekte der Stadt die Schutzerfordernisse der Umwelt berücksichtigen;

    • dass im städtischen Haushalt angemessene Mittel bereitgestellt werden, um vorsorgende Maßnahmen zum Erhalt unserer Umwelt zu ergreifen und vorhandene Umweltschäden im Rahmen technischer und finanzieller Ressourcen zu beheben;

    • eine Klima-Anpassungsstrategie, die verschiedenen Maßnahmen und Handlungsstränge miteinander koordiniert;

    • gezielte Maßnahmen, um der Hitzefalle Stadt entgegenzuwirken, wie z.B. Wasserflächen, Beschattung, Begrünungen, Entsiegelungen;

    • mit dem von uns initiierten Programm „1000 Bäume für die Innenstadt“ in den nächsten Jahren weitere Bäume und damit mehr Begrünung in die Innenstadt bringen;

    • dass bei neuen Bauprojekten keine stromfressenden Klimaanlagen eingebaut werden.

     

  4. Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel

     

    Trinkwasser ist kein Wirtschaftsgut, das nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen der Gewinnmaximierung gehandelt werden darf. Wir GRÜNEN werden uns deshalb einer Privatisierung der Wasserversorgung widersetzen und dafür Sorge tragen, dass die Stadt die Verantwortung für die Trinkwasserversorgung behält und sie nicht auf ein privates Unternehmen überträgt.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass auch in Zukunft das Trinkwasser in ökologisch verträglicher Weise gefördert wird und in guter Qualität sowie ausreichendem Maße für die ortsnahe Versorgung der MarburgerInnen zur Verfügung steht;

    • für eine möglichst sparsame Verwendung dieses wichtigen Lebensmittels in den privaten Haushalten und Gärten sorgen, u.a. durch den Ausbau der Wassersparberatung durch Umweltamt und Stadtwerke;

    • die stetige Erneuerung der städtischen Leitungssysteme, um Leitungsverluste zu vermeiden;

    • in öffentlichen Gebäuden Wassersparsysteme, Regenwassernutzung und Brauchwassersysteme verstärkt installiert sehen, letztere vor allem für die Bewässerung der öffentlichen Anlagen.

     

  5. Saubere Luft

     

    Saubere Luft ist für unsere Gesundheit unerlässlich. Die Marburger GRÜNEN werden sich deshalb auch zukünftig dafür engagieren. Vor allem geht es uns um die Minderung der Schadstoffbelastung der Luft durch Feinstäube, die zu Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislaufversagen und Lungenkrebs führen können. Wir halten es für dringend erforderlich, die Feinstaubbelastungen dort zu reduzieren, wo sie entstehen. Soweit wir die Möglichkeit dazu haben, wollen wir helfen auch die verkehrlichen Abgase zu reduzieren. DieSchadstoffbelastung durch Dieselmotoren konnte durch die auf GRÜNE Initiative eingeführten erdgasbetriebenen Stadtbusse bereits verringert werden. Inzwischen ist fast die gesamte Busflotte auf Gas umgerüstet. Auch die bereits 2004 in Betrieb genommene Erdgastankstelle, die auch Privatpersonen bequem einen Umstieg auf Erdgas-PKWs ermöglicht, ist ein Schritt zur Verbesserung der Luft. Weitere Maßnahmenzur Minderung der Schadstoffbelastung sind aber dringend erforderlich:

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • erreichen, dass von den zuständigen Landesbehörden in den Luftreinhalteplan für Marburg verbindlich aufgenommen wird, dass die Stadt beim Überschreiten von Grenzwerten Fahrverbote aussprechen kann;

    • die vollständige Umstellung des Fahrzeugparks der Stadt Marburg und ihrer Beteiligungen auf gas- , hybrid- oder elektrobetriebene Fahrzeuge, um die Abgasbelastung insbesondere durch Dieselruß zu vermeiden;

    • auch weiterhin die Förderung von gasbetriebenen PKWs, aber zusätzlich auch von Hybrid- und Elektrofahrzeugen durch die Stadtwerke;

    • deutlich machen, dass für eine wirkliche Verbesserung der Umweltbilanz es letztendlich nur ein Rezept gibt: weniger Auto- und mehr öffentlicher Nah-, Fahrrad- und Fußverkehr;

    • dazu beitragen, dass die Stadtverwaltung ihren eigenen innerstädtischen Verkehr so weit wie möglich durch Nutzung von Elektrofahrrädern bewältigt und damit auch die Marburger BürgerInnen motiviert, vom Auto auf ein Elektrofahrrad umzusteigen;

    • durch Information und Beratung dazu beitragen, dass bei Privatwohnungen ebenso wie bei Gewerbe- und Verwaltungsgebäude alte Ölheizungen und alte Holzfeuerstätten erneuert und durch moderne schadstoffarme Brenner ersetzt werden;

    • mit der Solarsatzung auch eine Verringerung der Schadstoffbelastung der Luft erreichen, weil Solarenergie zur Warmwasserbereitung und zur Heizungsunterstützung schadstofffrei funktioniert und die Luft gar nicht belastet.

     

  6. Weniger Lärm

     

    Lärm wird als Belastungsfaktor für unsere Gesundheit immer noch unterschätzt. Sicher ist, dass Geräuschbelastungen sich über einen längeren Zeitraum eindeutig negativ auf Gesundheit und Lebensfreude auswirken.

    Die Hauptlärmquelle in unserer Stadt mit ihrer Tallage ist der massive Straßenverkehr, verursacht hauptsächlich durch den Individualverkehr. Wir setzen zur Reduzierung des Lärms deshalb auf den weiteren Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs. Bei der anderen Hauptlärmquelle, der Bahn und insbesondere dem Güterverkehr, steht die Deutsche Bahn in der Pflicht, die sich bislang jedoch jeder Verantwortung für die Lärmemissionen entzieht.

    Neben dem Verkehrslärm gibt es vermeidbaren Lärm aus Gewerbebetrieben. Hier muss auf die Einhaltung bestehender Vorschriften gedrungen werden.

    2007 haben wir erreicht, dass die Stadt Marburg im eigenen Wirkungsbereich (Stadtgrün, Umwelt und Natur, Schulen, Kindergärten, etc.) auf den Einsatz von Laubblasgeräten mit Verbrennungsmotoren verzichtet. Appelle an Private und Firmen, auch auf die Nutzung von Laubblasgeräten zu verzichten, haben bisher keinen zufrieden stellenden Erfolg gezeigt. Wir fordern deshalb den Landesgesetzgeber auf, härtere Maßnahmen zum Schutz der Menschen und der Umwelt gegen die von Laubblasgeräten verursachten Emissionen zu ergreifen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • eine Ausweitung von verkehrsberuhigten Zonen (Elisabethstraße, Oberstadt);

    • die Umsetzung der für den Lärmaktionsplan von der Stadt Marburg vorgeschlagenen Maßnahmen: Errichtung von Lärmschutzwänden, Geschwindigkeitsreduzierungen auf 80 km/h für PKW und 60 km/h für LKW auf der Stadtautobahn;

    • eine flächendeckende Reduzierung der Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h auf Straßen in Wohngegenden (auch in der Frankfurter Straße);

    • den öffentlichen Personenverkehr ausbauen;

    • die Deutsche Bahn für die Errichtung von Lärmschutzwänden und für lärmmindernden Maßnahmen gewinnen;

    • die Benutzung von Laubblasgeräten einschränken.

  7.  

  8. Mobilfunkrisiken vermindern

     

    Die GRÜNEN fordern die Aufklärung über Risiken, die von Mobilfunktelefonen und -sendemasten sowie von schnurlosen DECT-Telefonen und –Basisstationen ausgehen. Dies ist weiterhin und verstärkt notwendig, damit die Unternehmen die Strahlungsintensität der Geräte verringern, wie dies technisch bereits jetzt möglich ist. Strahlungsarme Geräte kann das Umweltamt auf Nachfrage benennen und Informationsmaterial zur Verfügung stellen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass nur dann auf städtischen Gebäuden Mobilfunkanlagen gebaut werden, wenn die im Gegensatz zum deutschen Recht strengeren Schweizer Grenzwerte eingehalten werden;

    • dass auf den Dächern von Kindertagesstätten und Schulen überhaupt keine Mobilfunk-Sendemasten gebaut werden;

    • bei Baugenehmigungsverfahren freiwillige Vereinbarungen mit den Betreibern anstreben, um eine Strahlenbelastung soweit wie möglich zu vermindern.

     

  9. Schattenseiten des Lichts

     

    Nachts wird es nicht mehr richtig dunkel in Europa. Nur Slowenien hat bisher ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung – es ist nachts verboten, durchgängig Lampen zu betreiben. Wir GRÜNEN fordern Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung, weil nächtliches Licht häufig unnötig ist und häufig auch falsch eingesetzt wird. Wir fordern eine Begrenzung nächtlichen Lichts, ohne dass neue Angsträume entstehen oder Situationen, die von BürgerInnen oder BesucherInnen als unsicher oder gefährlich empfunden werden.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • dass eine negative Beeinflussung des Hormonhaushalts von Menschen, wie auch des Orientierungsvermögens nachtaktiver Tiere und der Wachstumszyklen von Pflanzen durch Lichtverschmutzung verhindert wird;

    • durch gezielte Beleuchtung, gedimmtes Licht und verkürzte Beleuchtungszeiten viel Strom, CO2 und damit Geld gespart werden kann.

     

  10. Müllberge abbauen

     

    Die GRÜNEN stehen für Müllvermeidung, Mülltrennung und Wiederverwertung (in dieser Reihenfolge). Zur Erreichung dieser Zielsetzung wurde durch unsere Initiative die aktive Haustür-Müllberatung der Praxis GmbH eingeführt. Sie erreicht in allen Stadtteilen viele Menschen, die so für das Konzept der Vermeidung und Trennung gewonnen werden können. Dadurch wurde die Reinheit der Müllsorten deutlich gesteigert und in Marburg die vergleichsweise niedrigen Müllgebühren erhalten. Die differenzierten Tarife entlasten besonders Mehrfamilienhäuser. Abfallvermeidung, -trennung und Recycling müssen weiter verstärkt werden; dies trägt zum Schutz unserer Umwelt bei und stabilisiert die Gebühren. Umwelt- und Abfallerziehung in Kindertagesstätten und Schulen ist dafür ebenso unverzichtbar wie die aktive Müllberatung. Nur so kann auch gegen die „Logik der Müllwirtschaft“ (Duales System, Müllverbrennung) angegangen werden, die auf steigende Müllmengen setzt, weil sie daraus Vorteile zieht.

    Neben schon existierenden Glasmüllcontainern fordern die GRÜNEN die Aufstellung von „Retourstationen“ für Batterien, Energiesparlampen, Handys, Druckerpatronen und Akkus nach niederländischem Vorbild. Diese Stationen sind für Kommunen kostenneutral, weil sie von den Herstellern der zu entsorgenden Produkte finanziert werden müssen.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • die Weiterführung der Müllberatung und –erziehung;

    • die Aufstellung von Retourstationen für Batterien, Energiesparlampen usw.

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  12. Ökologisch und regional statt genmanipuliert

     

    Auch in Marburg haben sich die GRÜNEN gegen die Ausbreitung von gentechnisch manipulierten Pflanzen und Produkte und die davon ausgehenden Gefahren engagiert. Mit Bauern der Region und anderen Initiativen hat das Umweltamt mehrere Veranstaltungen dazu organisiert und die Bevölkerung informiert. Ziel der GRÜNEN ist eine „gentechnikfreie Region Marburg“ im Bündnis mit Landwirten, Einzelhandelsbetrieben und Verbrauchern. In Richtung dieses Ziels sind wir GRÜNEN bereits einen wichtigen Schritt gegangen: es ist unserer Initiative zu verdanken, dass seit 2006 die Kinder in den städtischen Kindergärten nur noch mit ökologisch oder regional produzierten Lebensmitteln versorgt werden. Die freien Träger werden bei dieser Umstellung auf ökologisch oder regional produzierte Lebensmittel unterstützt. Auch an den Schulkiosken laufen seit Jahren (gemeinsam mit verschiedenen freien Trägern) Bemühungen, für Schülerinnen und Schüler gesunde Angebote attraktiv zu machen. Ziel der GRÜNEN ist es, dass mit der Einführung von Ganztagsschulen und der damit erforderlichen Einrichtung von Schüler-Mensen auch dort Essen aus ökologischen und regional erzeugten Lebensmitteln angeboten wird.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • eine „gentechnikfreie Region Marburg“ im Bündnis mit Landwirten, Einzelhandelsbetrieben und Verbrauchern.

     

  13. Natur in der Stadt

     

    Der Erhalt unserer Landschaft, Tiere und Pflanzen und der natürlichen Lebensräume bleibt auch in den kommenden Jahren eine zentrale Herausforderung. Jeden Tag sterben weltweit etwa fünfzig Tier- und Pflanzenarten aus. Wir GRÜNEN reden nicht nur über Artenvielfalt (Biodiversität) und Nachhaltigkeitsstrategien, sondern wir ergreifen auch praktische Maßnahmen für den Artenschutz. Deshalb haben wir GRÜNEN u.a. dafür gesorgt, dass der Dammelsberg als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Dies werden wir auch für andere Stadtgebiete einleiten und diese Politik fortsetzen.

    Wir setzen darauf, dass der Erhalt der natürlichen Lebensräume in Einklang gebracht wird mit dem Erholungsbedürfnis der BürgerInnen. Unsere Stadt ist landschaftlich überaus attraktiv. Die MarburgerInnen nutzen die Natur gerne als Erholungsraum. Wir GRÜNEN möchten eine naturverträgliche Erholung fördern und gleichzeitig das Bewusstsein, die Sensibilität und die Verantwortung für unsere natürliche Umwelt stärken.

     

    Wir GRÜNEN wollen

    • uns weiterhin für den Erhalt heimischer, vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen einsetzen, z.B. durch die Errichtung von Insekten- und Schwalbennesterhotels sowie durch die Bereitstellung von Nisthilfen für andere Vögel;

    • uns dafür einsetzen, dass der Botanische Garten auf den Lahnbergen erhalten bleibt, auch aus Gründen des Artenschutzes und als Gen-Pool;

    • dass die Grünflächenpflege nach ökologischen Maßstäben und wo möglich im Einklang mit der Natur erfolgt;

    • uns für den Erhalt und den Ausbau ökologischer Flächen in der Stadt einsetzen, um für Tiere und Pflanzen einen Rückzugsraum sicherzustellen;

    • die Lahnauen als wichtigen ökologischen Raum erfahrbar machen (s.o.). Auch für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, durch eine barrierefreie Plattform beim renaturierten Seitenarm der Lahn im Gebiet „Auf der Weide“;

    • mehr Ruhebänke auf den Spazier- und Wanderwege im Stadtgebiet, möglichst für die Stadt kostenneutral durch Spenden und Sponsoren (nach englischem Vorbild);

    • die Einrichtung von Lehrpfaden zu Umweltthemen: zum Thema Sonnenenergie und zum Thema Wasser in Zeiten des Klimawandels.