GRÜNE Stadt – Stadt mit Zukunft und Lebensqualität Die städtebauliche Planung ist eines der zentralen kommunalen Handlungsfelder der GRÜNEN und Voraussetzung für die Realisierung einer „Stadt mit Zukunft und Lebensqualität“. Für eine nachhaltige Stadtentwicklung von Marburg verfolgen die GRÜNEN vor allem die folgenden Ziele: ·     Die Innenstadt muss als Zentrum und als Arbeits- Einkaufs- und Lebensbereich gestärkt und wo erforderlich reaktiviert werden. Wir wollen eine lebendige, urbane Innenstadt, eine Stadt der kurzen Wege, eine Stadt mit vielfältigen Nutzungen, einer funktionierenden Nahversorgung und lebendigen Nachbarschaften. Und wir wollen eine grüne Stadt mit vielen Bäumen und miteinander vernetzten wohnungsnahen Grünflächen, die das Stadtklima verbessern und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Erholung bieten. Wir werden dafür Sorge tragen, dass der innerstädtische Einzelhandel nicht durch weitere Konkurrenz in den Kaufparks zerstört wird. Mit Hilfe des Baurechts haben wir die Ausbreitung innenstadtrelevanter Angebote in den Gewerbegebieten unterbunden. ·     Es muss eine lebendige Oberstadt geben. Dabei ist der strukturelle Erhalt der Oberstadt als Einkaufsbereich von herausragender Bedeutung. Dafür wollen wir uns engagieren und dabei auch ungewöhnliche Wege der Förderung und Planung nicht scheuen. Darüber hinaus werden wir dafür sorgen, dass die Oberstadt ein vielseitiger Wohnstandort bleibt. ·     Das Nordviertel muss revitalisiert werden und eine neue Dynamik erhalten. Mit der Neuorganisation der ehemaligen Kliniken steht dem Nordviertel durch den Umzug von Frauen-, Kinder- und Hautklinik ein erneuter tiefgreifender Strukturwandel bevor. Es bedarf einer grundlegenden Neugestaltung der Straßenräume, um im Nordviertel die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und den Einzelhandel zu stärken. ·     Es muss eine Campus-Universität auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei und den freien Unikliniken geplant und realisiert werden. Das nutzt der Universität und der Stadt. Einen langjährigen Leerstand dieser Gebäude wollen wir nicht zulassen. Um dieses Vorhaben zu realisieren, muss die Stadt Marburg alles daran setzen, für die Flächen und Gebäude der Philosophischen Fachbereiche im Lahntal eine neue und für die Stadtentwicklung sinnvolle und ergänzende Nutzung zu entwickeln. Wie schon bei der Konversion der ehemaligen Bundeswehrliegenschaften muss die Federführung bei der Stadt liegen. ·     Der öffentliche Raum muss neu aufgeteilt werden. Die Plätze und Strassen der Stadt, der öffentliche Nahverkehr und der Individualverkehr sollen in ein neues Gleichgewicht gebracht werden, damit einerseits Lärm, Abgase und Unfallgefahren geringer und andererseits neue Wege gefunden werden, um die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Erfordernisse so miteinander zu vereinen, dass auch unsere Kinder und Kindeskinder noch eine intakte und lebenswerte Stadt und Umwelt vorfinden werden. ·     Die Stadtteile müssen vor allem für Familien mit Kindern wieder attraktive Wohn- und Lebensorte werden, um den Trend zur Abwanderung ins Umland zu bremsen. Wichtig dabei ist, dass die Bewohner und Bewohnerinnen sich mit der Innenstadt wie den Stadtteilen identifizieren können. Gemeinsam mit ihnen als den Expertinnen und Experten ihres alltäglichen Lebensumfeldes wollen wir die Schwachpunkte und Defizite des jeweiligen Stadtteils unter die Lupe nehmen und Vorschläge zur Aufwertung der Quartiere ausarbeiten. Diese Ideen, beispielsweise zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur, der Einkaufsmöglichkeiten oder für ein attraktiveres Wohnumfeld (öffentliche Plätze, Verkehrsberuhigung, Grünflächen, Spielorte) sollen in speziellen Stadtteilentwicklungsplänen konkretisiert und Umsetzungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. ·     Die Wohn- und Lebensbedingungen in benachteiligten Stadtteilen müssen weiter verbessert werden. Dies erfordert ein besonderes politisches und finanzielles Engagement. Der Richtsberg ist ein Beispiel für die stadtentwicklungspolitischen Sünden der Vergangenheit und er zeigt auch, wie mühsam und dennoch möglich Korrekturen heute sind. Die GRÜNEN sehen im Programm „Soziale Stadt“ eine Chance dafür, die wir nutzen wollen in enger Zusammenarbeit zwischen den Gemeinwesenprojekten, der Verwaltung, der Politik, den Anwohnerinnen und Anwohnern. Diese Form der Beteiligung hilft den Bewohnern, eine neue Sicht von ihrem Stadtteil zu gewinnen und sich mit ihm zu identifizieren. Für den Stadtteil „Stadtwald“ (Ockershausen) ist ein ähnlicher Prozess in Gang zu setzen. ·     Der vorhandene Wohnraumbestand muss besser, effektiver und gerechter genutzt und neuer Wohnraum geschaffen werden. Wir werden unseren Einfluss geltend machen, für preiswerte seniorengerechte Wohnungen in den Stadtquartieren, damit älteren Bewohnerinnen und Bewohner großer, in Teilen ungenutzter Wohnungen oder Häuser attraktive Wohnalternativen angeboten werden können. Für junge Familien werden so stadtnahe, ausreichend große Wohnungen frei. Autofreie bzw. stellplatzfreie Modelle unterstützen wir genauso wie genossenschaftliche Projekte und Baugruppen. Fördern wollen wir auch innovative Ideen für preisgünstigen Miet- und Eigentumswohnbau, insbesondere für Familien mit geringerem Einkommen. Gleiches gilt für integrative Wohnformen von Jung und Alt. Wir setzen uns dafür ein, dass es in den Stadtquartieren preisgünstigen Wohnraum für Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, Altersgruppen und Nationalitäten gibt. Deshalb werden wir auch am sozialpolitischen Auftrag an die GeWoBau festhalten und eine Rendite orientierte Geschäftspolitik nicht zulassen. ·     Studierende müssen besser und schneller eine Wohnung finden. Als Universitätsstadt benötigt Marburg erschwinglichen Wohnraum für eine steigende Zahl von Studentinnen und Studenten. Wir unterstützen alle innovativen Formen studentischen Wohnens (z.B. Alt-Jung-Projekte, selbst organisierte Projekte). Die GRÜNEN setzen sich für eine Internet-Plattform „Marburger Wohnungsbörse“ ein, auf der Studierende inserieren und Anbieter ihre Wohnungsangebote plazieren können. Denn es gibt keinen unübersichtlicheren Markt als den Wohnungsmarkt. Neue Studentinnen und Studenten müssen sich in kurzer Zeit vor Semesterbeginn über die Wohnungsangebote und Anbieter informieren können. ·     Die künftige Entwicklung unserer Stadt muss vom Flächenverbrauch weitgehend unabhängig gemacht werden, dadurch, dass eine Flächen sparende Bauweise stattfindet, unnötig versiegelte Flächen entsiegelt werden, eine sozial wie städtebaulich behutsame und nachbarschaftsverträgliche Nachverdichtung spärlich genutzter Grundstücke und Wiederverwertung schon genutzter Flächen erfolgt, sowohl bei Wohn- als auch Gewerbebauten. Wir wollen die Möglichkeiten zur Aktivierung von Gewerbebrachen und vorhandenen Reserveflächen sowie zur intensiven Ausnutzung untergenutzter Grundstücke in den vorhandenen Gewerbegebieten ausschöpfen. Den ortsansässigen Betrieben wollen wir Entwicklungsperspektiven bieten und die Ansiedlung neuer, vor allem zukunftsweisender Technologien ermöglichen. ·     Die Ausweisung neuer Wohnbauflächen muss in überschaubarer Größenordnung und bevorzugt im Anschluss an vorhandene Baugebiete erfolgen. Auch wenn wir konsequent auf die flächensparende Innenentwicklung setzen, werden wir nicht auf die Ausweisung neuer Wohnbauflächen verzichten können. Diese sollten an die Hauptachsen des ÖPNV angebunden werden können. Ihre ökologische, städtebauliche und soziale Verträglichkeit ist im Vorfeld transparent und plausibel nachzuweisen. Neue Wohngebiete sollen in kompakter Bauweise, mit flächensparender Erschließung und unter bestmöglicher Berücksichtigung ökologischer Erfordernisse realisiert werden. ·     Die Siedlungsgrenzen bzw. der Stadtrand müssen definiert werden, auch um dem Verlust weiterer Grünflächen vorzubeugen. Ein wichtiger Schritt dazu war das von uns veranlasste Kataster ökologisch wertvoller Flächen, die nun gänzlich vor einer möglichen Versiegelung geschützt sind. Wir werden die Erstellung eines ‘Grünkatasters‘ beantragen, um auch die ökologisch und zur Naherholung, sowie als Spielorte für Kinder benötigten Grünflächen fest zu legen und sie vor zukünftiger Bebauung zu sichern. ·     Marburg muss mehr mit seinen natürlichen Pfunden wuchern, z.B. dem Fluss in der Stadt. Die Stadt muss sich zum Fluss öffnen und ihn mehr als Potential von Lebensqualität nutzen. Die wunderschönen Flächen, die zur Zeit als Parkplätze verschandelt werden, wollen wir aufwerten und neue Erlebnis- und Grünzonen am Ufer der Lahn entwickeln. ·     Es muss eine naturnahe Nutzung und Pflege der städtischen Waldgebiete auch im Rahmen einer nachhaltigen Waldwirtschaft erfolgen. Die vielfältigen ökologischen Funktionen des Waldes z.B. als Garant der Artenvielfalt, als Luft- und Wasserfilter, CO2-Speicher, Sauerstoffproduzent, Erosions- und Bodenschutz müssen bewahrt und verbessert werden. Gleichzeitig soll damit eine ökologisch und wirtschaftlich dauerhafte Holzproduktion und -verwendung bis hin zur Restholznutzung verbunden werden. Wir wollen die Bedeutung des Waldes als umweltverträglich genutzten Naherholungsraum für Sport und Freizeit mit seinen vielfältigen sozialen Funktionen (Hütten, Grillstellen usw.) stärken und vermehrt ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. ·     Die städtebauliche Planung muß allen Lebenslagen der Bürgerinnen und Bürger gerecht werden. Dabei spielt Barrierefreiheit eine große Rolle, die vielen nutzt und niemandem schadet. Neben der Pflege des historischen Stadtbildes sind neue Wege in der Stadtgestaltung erforderlich, die von den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen und einem Gleichgewicht zwischen ökonomischer Machbarkeit und Sinnhaftigkeit, ökologischer Verträglichkeit und sozialer Ausgewogenheit geprägt sind. ·     Bei der Stadtentwicklung wollen wir auch die vielfältigen Fach- und Kreativitätspotentiale außerhalb von Verwaltung und Politik einbeziehen und für die Verbesserung der Lebensqualität nutzbar machen. Das heißt Bürgerinformation und –beteiligung zu allen Planungsphasen und in variabler Weise, von der Bürgerversammlung bis zum kreativen Workshop. Die Agenda 21 Arbeitsgruppen sind für die GRÜNEN im Stadtentwicklungsprozess ein unverzichtbarer Kooperationspartner. ·     Die GRÜNEN haben mit dem „Beirat für Stadtgestaltung“ ein in Hessen einmaliges Fachforum mit unabhängigen Experten und Expertinnen ins Leben gerufen, die mit ihrem Fachwissen die Gremien der Stadt bei ihren städtebaulichen Planungen beraten. Mit ihren Vorschlägen zur Bauästhetik, zur Aufwertung städtischer Quartiere, zur baulichen Verdichtung, sowie zur stilvollen Einordnung moderner Architektur in das historische Stadtbild haben die ehrenamtlich tätigen Beiratsmitglieder eine neue Qualität in den politischen Diskurs zur Stadtplanung / Stadtentwicklung eingebracht. Wir werden dafür sorgen, dass dies weiterhin so geschieht. ·     Baumaßnahmen müssen mit dem in Marburg gebotenen Maß an Ästhetik, Sensibilität und Augenmaß erfolgen. Hierauf wollen wir noch stärker als bisher achten. So ist insbesondere auf stadtbildprägende Ensembles wie auch auf denkmalgeschützte Einzelbauten künftig stärker Rücksicht zu nehmen. Dabei wird uns der Gestaltungsbeirat unterstützen.