Faire Stadt – Frauen und Männer Nach wie vor ist eine eigenständige Politik, die die Interessen von Frauen in den Fokus rückt, unverzichtbar. Zwar ist es in vielen Bereichen gelungen, Benachteiligung von Frauen abzubauen. Grüne Politikerinnen und Politiker haben hierzu auf allen Ebenen einen ganz erheblichen Beitrag geleistet. Dennoch sind wir von einer echten Chancengleichheit von Frauen und Männer noch weit entfernt. Vor allem im Bereich der Arbeit, der Erwerbsarbeit und der gesellschaftlichen Arbeit, gibt es wenig Chancengleichheit und Gerechtigkeit. Frauenarbeit muss gerechter entlohnt und neue Konzepte der Arbeitsorganisation entwickelt werden, die nicht zuletzt auch den Bedürfnissen von Menschen mit Kindern entsprechen, es muss die berufliche Qualifizierung von Frauen verbessert und in die Betreuungsinfrastruktur investiert werden. Für das Ziel der Chancengleichheit bedarf es auch auf kommunaler Ebene erheblicher Anstrengungen. Wir sehen Frauenpolitik als Querschnittsaufgabe, die in allen Bereichen der Kommunalpolitik wahrgenommen werden muß. Es geht um die Herstellung gleicher Lebens- und Entwicklungschancen von Frauen und Männern als einem durchgängigen Kennzeichen des kommunalen Handelns und der Verwaltung. Wir haben in den letzten Jahren mit dafür gesorgt, dass sich ein entsprechendes Problembewußtsein entwickelt hat. Veranstaltungen und Qualifizierungsmaßnahmen für die Verwaltung wie Gender Training, Vorträge zu Gender Budgeting, Gender Mainstreaming haben dazu beigetragen. ·     Wir Marburger GRÜNEN werden dafür sorgen, dass dieser Weg konsequent weiter beschritten und die Instrumente weiterentwickelt werden. ·     Wir werden uns auch dafür einsetzen, dass die Stadt für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Sinne des Gender Mainstreaming tätig wird. Hierzu gehört eine entsprechende Personalentwicklungspolitik ebenso wie der kreative Einsatz familienfreundlicher Arbeitszeitregelungen. Dabei soll sich die Stadt Marburg der inzwischen weitverbreiteten Instrumente zur Beförderung eines solchen Prozesses wie Total E-Quality oder Audit Familie und Beruf der Hertie-Stiftung bedienen. Zum Abbau der Benachteiligung von Frauen werden die Marburger GRÜNEN vor allem die folgenden Zielsetzungen verfolgen: Frauen und Kinder sind sehr viel häufiger als Männer Opfer von sexualisierter und häuslicher Gewalt. Wir haben uns sehr dafür eingesetzt, die entsprechenden präventiven, aktiven und reaktiven Hilfsangebot für Frauen, Mädchen und Jungen in Marburg zu stärken, auch gegen die frauenfeindliche Landespolitik. ·     Wir werden uns auch weiterhin mit aller Kraft und finanziellem Engagement dafür einsetzen, die Anti-Gewalt-Projekte in der Stadt Marburg zu unterstützen und zu fördern. Vor allem am Abend und nachts erfahren Frauen öffentliche Räume oft als Angsträume. Die alltägliche Gewalt gegen Frauen, Lesben und Mädchen begrenzt ihre Mobilität und ihre Möglichkeit am öffentlichen Leben teilzunehmen. ·     Deshalb müssen der Öffentliche Nahverkehr weiter ausgebaut und dem Schutzbedürfnis der Frauen angepasst werden, sowie schlecht einsehbare Plätze und Wege ausreichend beleuchtet und mehr Frauenparkplätze vorgesehen werden. Auch im Kulturbereich war und ist eine gezielte Förderung von Kultur von und für Frauen notwendig. In den vergangenen Jahren haben wir z.B. Ladies in Culture (KFZ), Frauenkunstgeschichte e.V. oder auch Abraxas (hier vor allem das Mädchen-Medien-Projekt) unterstützt. ·     Auch in den nächsten Jahren werden wir GRÜNEN bestehende Frauenprojekte in der Kultur stärken und neue Entwicklungen unterstützen. Es ist uns gelungen, dass zumindest in einigen Bereichen der kommunalen Politik das Gender Mainstreaming-Prinzip wirksam geworden ist. Dazu gehört neben dem Kultur- und dem Jugendbereich auch der Sport. ·     Wir haben im Zusammenhang mit der Förderung von Spitzen- und Breitensport veranlasst, dass Kosten und Nutzen im Sinne eines Gender Budgeting unter der Geschlechterperspektive betrachtet wurden. Damit haben wird Daten gewonnen, die Grundlage für eine geschlechtergerechte Sportförderung in der Zukunft sein können und sollen. Die Anstrengungen in dieser Richtung müssen noch verstärkt werden. ·     Dies soll etwa im Zusammenhang mit dem geplanten Bundesleistungszentrum für Frauenbasketball in Marburg geschehen, dessen Realisierung wir ausdrücklich unterstützen, weil hier für das ganze Bundesgebiet vor allem weiblicher Nachwuchs gefördert und trainiert werden soll. Schon jetzt haben wir eine sehr erfolgreiche Erstbundesliga Frauenmannschaft vor Ort (die einzige Bundesligamannschaft in Marburg), die weiterhin bestmöglich gefördert werden muss. Unser Ziel ist es, dass auch im Bildungsbereich die Grundsätze des Gender Mainstreaming durchgesetzt und verankert werden. Um Fraueninteressen bei der Stadtentwicklung effektiv zur Geltung kommen zu lassen, ist es notwendig, “frauenspezifische Planungskriterien” zu entwickeln und neue, innovative Beteiligungsformen in Planungsprozessen auszuprobieren. Es muß ermöglicht werden, dass sich Frauen in den unterschiedlichsten Lebenslagen vor Ort für ihre Belange selbst einsetzen können. ·     Die Durchführung von Planungszellen oder Zukunftswerkstätten nur für Frauen sind hier mögliche Ansätze, die wir erproben wollen. ·     Bei der Planung von öffentlichem Wohnungsbau sind die Interessen von Alleinerziehenden und Familien verstärkt zu berücksichtigen. Alleinerziehende (mehrheitlich Frauen) haben auch heute noch Schwierigkeiten, geeignete und bezahlbare Wohnungen mit einer unterstützenden Infrastruktur zu finden. Entsprechend dem positiven Beispiel in Weidenhausen-Süd müssen weitere spezielle Wohnungen für Frauen mit Kindern stadtnah geschaffen und Wohnprojekte wie “Kooperierendes Wohnen” unterstützt werden. In Marburg besteht ein sehr aktives Unternehmerinnen-Netzwerk, das es auch weiterhin zu unterstützen gilt. ·     Damit noch mehr Frauen den Weg in die Selbständigkeit wagen, sollen im Rahmen des Zentrums für Existenzgründungen verstärkt spezielle Angebote und eine besondere Unterstützung für Existenzgründerinnen entwickelt werden (z.B. durch Seminare für Existenzgründerinnen, durch eine motivierende Öffentlichkeitsarbeit oder durch eine gezielte Vergabe von Krediten an Frauen). Die Marburger GRÜNEN haben in Kooperation mit der Gleichstellungskommission ein Outsourcing des Reingungsbereichs verhindert. Damit wurden nicht nur städtische Arbeitsplätze für Frauen erhalten, sondern es wurde auch die Qualifizierung der beschäftigten Reinigungskräfte ermöglicht. ·     In diesem Sinne werden wir uns auch weiterhin für die Erhaltung von Frauenarbeitsplätzen und für verbesserte Qualifizierungsmaßnahmen einsetzen.