BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Marburg-Biedenkopf

Antrag der Fraktionen KLIMALISTE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betreffend „Wasserschutzkonzept in Klimaanpassungskonzept integrieren“

10.01.25 –

Beschluss:
Der Kreistag beauftragt/bittet den Kreisausschuss, bei der Erstellung eines "Integrierten Klimaan-
passungskonzepts" ein besonderes Augenmerk auf Präventionsmaßnahmen für Extremwetterer-
eignisse (sowohl Dürreperioden als auch Extremniederschläge) zu legen.
Ziel muss sein, die Einwohner*innen im Kreis sowohl vor Hochwasserschäden als auch vor Was-
sermangel so gut wie möglich zu schützen und mit der knappen Ressource Wasser verantwortlich
umzugehen.
Die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Konzept soll dabei gute Praxisbeispiele für alle Kommu-
nen im Landkreis schaffen, wie dies bereits beispielhaft im Rahmen des Klimaanpassungskonzepts formuliert ist.
Folgende einzelne Präventionsmaßnahmen sollen hierbei einfließen:
• Masterplan Schwamm-Landkreis
• Integriertes Wasserversorgungs- und Wassermengenmanagementkonzept
• Schaffung von zusätzlichen Retentionsräumen und Versickerungsflächen
• Förderung der Nutzung von Regen- und Brauchwasser auch unter Nutzung der Vorbildfunktion kommunaler und Kreisliegenschaften


Begründung:
Auf Grundlage des Antrags (48/2021 KT 2. Ergänzung) zu Klimaschutz und Klimafolgen-anpassung vom 19.11.2021 und der am 24.05.2024 verabschiedeten Nachhaltigkeitsstrategie des Land-
kreises (408/2024 KT) wird demnächst im Rahmen des Bundesförderprogramms „Maßnahmen zur
Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ das „integrierte Klimaanpassungskonzept“ für 14
kreisangehörige Kommunen erstellt. Dieses muss auch ein umfassendes Wasserschutzkonzept
beinhalten.
Wie dringlich gleichermaßen Klimaschutz wie Klimafolgenanpassung sind, zeigt der aktuelle Be-
richt des Klimawandeldienst Copernicus: 2024 war das wärmste Jahr seit 1850. Erstmals lag die
globale Durchschnittstemperatur 1,6 Grad über dem vorindustriellen Niveau und Europa erwärmt
sich schneller. Die Folge sind nicht nur Dürre und Brände, auch verstärkt mehr Feuchtigkeit in der
Atmosphäre das Potenzial für extreme Niederschlagsereignisse.

14. und 15. Juli 2021: Jahrhunderthochwasser (ausgelöst durch Tief Bernd) im Ahrtal mit über 160 Todesopfern. Die betroffenen Regionen und dort lebenden Menschen in Rhein-land-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erhalten 30 Milliarden EUR Aufbauhilfe von Bund und Ländern. (Quelle: Bundesregierung www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/hochwasserbundesregierung-2007190)


September 2024: Schwere Überflutungen (ausgelöst durch Tief Anett/Boris) mit Regenmengen
von teilweise bis zu 350 Litern Niederschlag/Tag in großen Teilen von Österreich, Polen, Tschechien, Slowakei, Italien und Rumänien mit hunderten von Todesopfern und Schäden in Milliarden-
höhe. Etwa zwei Millionen Menschen waren von den Überschwemmungen betroffen.

(Quelle: www.dwd.de/DE/leistungen/besondereereignisse/niederschlag/20240923_hochwasser_osteuropa.html)


Diese beiden exemplarisch skizzierten Extremwetterereignisse in Europa innerhalb der vergangenen drei Jahre als Folge des menschengemachten Klimawandels zeigen deutlich: Es besteht
Handlungsbedarf zur Vorsorge, auch im heimischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Die Tatsache anerkennend, dass die Kreisverwaltung, das Land Hessen

(https://landwirtschaft.hessen.de//wasser/hochwasserschutz) und auch der Bund (Nationale Wasserstrategie www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/nationale-wasserstrategie-2171158) in Sachen Prävention gegen Klimawandelfolgen schon Anstrengungen unternehmen, bedarf es, aus Sicht der Klimaliste Marburg/Marburg-Biedenkopf, einer noch intensiveren Auseinandersetzung im Rahmen des „Integrierten Klimaanpassungskonzepts“ des Kreises mit den Folgen von Starkregenereignissen oder Dürreperioden mit extremem Wassermangel.


2022 war das sonnenscheinreichste und, gemeinsam mit 2018, wärmste Jahr in Deutschland seit
Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen, mit einem deutlichen Niederschlagsdefizit.

(Quelle: www.dwd.de/DE/Home/_functions/aktuelles/2023/20230119_klimarueckblick_2022.html)


Der Landkreis ist auf diese, in Zukunft häufiger auftretenden Extremwetterereignisse, nicht ausreichend vorbereitet, wie aus den nicht zufriedenstellenden Antworten auf unsere Große Anfrage vom
25.06.2023 zum Thema Wassermanagement deutlich wird.
Hierzu ist es wichtig, ein „integriertes Wasserversorgungs- und Wassermengen-Managementkonzept“ für den Landkreis Marburg-Biedenkopf zu erarbeiten, so wie es bereits Stadt und Landkreis

Lüneburg erarbeitet haben. (Quelle: www.landkreis-lueneburg.de/fuer-unsere-buergerinnen-und-buerger/umwelt-und-klimaschutz/wasserwirtschaft-und-hochwasserschutz/grundwasser/wassermanagementkonzept-und-runder-tisch-grundwasser.html)


Damit würde der Landkreis eine Vorbildfunktion beim Präventivschutz der Bevölkerung im Falle
von Wassermangel und Starkregenereignissen in Folge des Klimawandels einnehmen.
Dass es noch Handlungsbedarf in Sachen Prävention gegen Starkregenereignisse gibt, zeigt eine
Recherche des hr in Zusammenarbeit mit CORRECTIV, NDR, BR und WDR. (Quelle:

www.hessenschau.de/politik/wie-sich-hessen-gegen-starkregen-und-hochwasser-wappnet-v2,starkregen-hochwasser-landkreise-100.html)



Erst jüngst (Mitte Oktober 2024) machte der Club of Rome und das Wuppertal Institut in dem Buch
„Earth for All Deutschland: Aufbruch in eine Zukunft für Alle“ konkrete Vorschläge, wie speziell in

Deutschland Umweltkrisen überwunden und gleichzeitig Demokratie und Wohlstand gesichert werden können. (Quelle: earth4all.life/earth-for-all-deutschland-aufbruch-in-eine-zukunft-fur-alle/) Dies sollte sich auch der heimische Landkreis zum Vorbild nehmen.


gez.:                                  gez.:
Frauke Haselhorst            Michael Meinel
KLIMALISTE                     BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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