Gentechnikfreie Region Marburg-Biedenkopf

Die Kreismitgliederversammlung von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Marburg-Biedenkopf protestiert schärfstens gegen den vom Land Hessen in Rauischholzhausen zugelassenen  und der Universität Gießen geplanten Anbau von gentechnisch veränderten Mais der Sorte MON 810. Sie fordert das Land Hessen und die Universität Gießen auf, ihre Pläne umgehend zurückzunehmen.

Darüber hinaus begrüßt die Kreismitgliederversammlung die Gründung der BürgerInnen­initiative „Gentechnikfreie Region Marburg-Biedenkopf“. Sie fordert die MandatsträgerInnen im Kreis auf, diese mit Nachdruck in ihren Zielen zu unterstützen:

-          die Verhinderung der geplanten Versuche der Universität Gießen mit gentechnisch verändertem Saatgut in Rauischholzhausen

-          die Initiierung einer gentechnikfreien Region Marburg-Biedenkopf.

 

Die Planungen der Universität Gießen stellen eine unmittelbare Bedrohung der Existenz von Landwirtschaft und Imkerei in der Region und im Landkreis Marburg-Biedenkopf dar. Insbe-sondere die jahrzehntelangen Bemühungen, landwirtschaftlich erzeugte Produkte aus der Region gezielt als Regionalerzeugnisse zu vermarkten, werden durch den Anbau und die Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen zunichte gemacht. Ökologisch  wirtschaften-de Betriebe, die z. T. in unmittelbarer Nachbarschaft zu den geplanten Versuchsflächen anbauen, sind in ihrer Existenz gefährdet. Das Auskreuzen kann die Maisernten einer gan-zen Region - ökologisch wie konventionell erzeugt - unbrauchbar machen.

Für die Imkereien der Region droht ein nicht absehbarer Schaden, da die Verkaufsfähigkeit potentiell gentechnisch verunreinigten Honigs stark sinken dürfte. Die langfristigen Aus­wir-kungen gentechnisch veränderter Pflanzen auf Bienen sind ungeklärt. Es gibt bislang zwar keine schlüssigen Hinweise darauf, dass das "amerikanische Bienen­sterben" auf gentech-nisch veränderte Organismen zurückzuführen ist. Eine andere Ursache ist bislang aber auch noch nicht gefunden worden.

In Frankreich ist der Anbau dieser Maissorte erst vor kurzem verboten worden, weil nach wie vor ernsthafte Bedenken bestehen, dass die Pflanzen erhebliche Risiken bergen. Es ist ein vom Land Hessen und der Universität Gießen zu vertretender Skandal, dass diese in Frank-reich aus dem Verkehr gezogene Sorte nunmehr trotz der Sicherheitsbedenken angebaut werden soll. Leider wurde von der Universität Gießen bisher noch nicht einmal der Versuch unternommen diese Entscheidung der Bevölkerung zu erläutern.

Die Kreismitgliederversammlung unterstützt die unmittelbaren Grundstücknachbarn und die Gemeinde Ebsdorfergrund in ihrer Ablehnung des Gentech-Versuches und begrüßt es, dass der Kreisvorstand als Zeichen der Solidarität einen  Betrag von 500 € für ein eventuelles Treudhandkonto eines Rechtsschutzfonds für Klagen gegen den Anbau gentechnisch veränderter Lebensmittel zur Verfügung gestellt hat, um Klagen von Grundstücknachbarn und anderen unmittelbar Betroffenen zu ermöglichen.


Die Grünen fordern den Kreis und alle Gemeinden und Städte des Kreises auf, alle recht-lichen und politischen 
Mittel zu prüfen, um den Anbau von gentechnisch veränderten Pflan-zen in Rauischholzhausen zu verhindern. Die Grünen fordern alle landwirtschaftlichen Be-triebe, Lebensmittelhandel und Verbraucher dazu auf, keine gentechnisch veränderten Futter- und Lebensmittel einzusetzen bzw. zu verkaufen und zu kaufen.

Im Interesse der Bevölkerung des Landkreises Marburg-Biedenkopf müssen alle denkbaren Schritte unternommen werden, um den Anbau jeglicher gentechnisch veränderter Pflanzen  in Rauischholzhausen zu verhindern.