Erinnerung an SPD-Bausünden ist verblasst, aber nicht vergessen

Der pensionierte, ehemalige Pressesprecher der Stadt Marburg Dettmering gehört zu jener SPD-Generation, die in den 1980er Jahren alles bekämpft haben, was Marburg heute liebenswert macht: von der großzügigen Fußgängerzone in der Altstadt über Radwege, den Abbau der Lahn-Parkplätze bis hin zu verkehrsberuhigten Zonen. Die Kulisse der Altstadt darf nicht darüber hinwegtäuschen, das SPD-Politiker wie Dettmering verantwortlich waren für den Abriss von historischer Bausubstanz am Biegeneck und die Verwahrlosung der Bahnhofstraße. Noch heute verteidigt Dettmering Marburgs größte Bausünde: den Abriss von Teilen der Altstadt zugunsten des Kaufhausviertels Universitätsstraße/Gutenbergstraße. Noch letztes Jahr hat Dettmering als Mitglied des Kirchenvorstandes vergeblich für die Fällung der Trauerweide gekämpft. Die Erinnerung daran mag vielleicht verblassen, sie ist aber nicht vergessen.

Dettmering betreibt auch Geschichtsfälschung: Für den Bau des Erlenring-Centers mit seinen grellen Werbeplattformen und seinem überhöhten Eingangsportal sind nicht die GRÜNEN und Franz Kahle verantwortlich. Das Erlenring-Center ist eine SPD-Projekt, das erst möglich wurde, nachdem Anfang der 1990er Jahre die erste rot-grüne Koalition zerbrochen war. Danach hat die Gotthold/Dettmering-SPD gemeinsam mit der CDU die planerischen und rechtlichen Grundlagen für Erlenring-Center und Marktdreieck gelegt.

Die von den GRÜNEN und der SPD vereinbarten Grassi-Pläne aus den 1980er Jahren sahen flache Bauwerke vor, die den Blick auf die Altstadt aus jedem Winkel zugelassen hätten. Die Pläne für die mehrgeschossigen Gebäude in Marburg-Mitte und die Einkaufs-Center am Erlenring sind erst nach dem Bruch der rot-grünen Koalition von sozialdemokratischer Baudezernenten entwickelt worden. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist auf Initiative der GRÜNEN und gegen den massiven Widerstand der SPD der Stadtgestaltungsbeirat eingerichtet worden.

Die heutigen Sozialdemokraten möchte ich daran erinnern, dass Dettmering bereits Anfang der 1990er zu den Totengräber der ersten rot-grünen Koalition (1985-1991) gehörte. Als Folge davon verlor der Sozialdemokrat Pätzold das Amt des Oberbürgermeisters für die SPD. Zu den überklugen Ratgebern Pätzolds gehörte auch E. Dettmring. Nur mit massiver Unterstützung der Grünen ist es dem Sozialdemokraten Egon Vaupel gelungen, den Chef-Sessel im Rathaus wiederzugewinnen. Wer diese gemeinsame Verdienste und Interessen nicht erkennt und mit Geschichtsfälschung und gezielten Fehlinformationen Politik gegen die GRÜNEN macht, spielt mit dem Feuer und geht den Weg der Hessen-SPD.

Sämtliche Bauprojekte in Marburg sind immer mit den Stimmen der SPD beschlossen worden. Wer im Stadtparlament zustimmt und auf dem Parteitag schlecht redet, handelt unglaubwürdig. Ich rate der SPD, sich gerade mit Blick auf die wichtigen Bundestagswahlen dringend zu sortieren. Es geht darum, Gemeinsamkeiten zwischen SPD und GRÜNEN zu betonen.

In Marburg haben GRÜNE und SPD in den letzten Jahren gemeinsam viele architektonische und stadtplanerische Highlights verwirklicht, die Marburg noch attraktiver machen: von der Lingelgasse 5 und dem Lingelplatz über den Vorplatz der E-Kirche, den Elisabeth-Blochmann-Platz, das TEKA-Kaufhaus und das Parkhaus Nord in der Bahnhofstraße, die Um- und Neugestaltung der Schwanallee, der Ketzerbach, des Marbacherweg und der Rosenstraße, bis hin zu dem Wohn- und Geschäftshaus Frankfurter Str./Haspelstraße, den Turnergarten, dem Neubau Martin-Luther Schule und eine Reihe von Aufenthaltsorten an der Lahn und in der Oberstadt.

Da Dettmering und Teile der SPD offensichtlich in einer anderen Stadt leben fordere ich für den Mai zu einem Stadtsparziergang auf. Dann schauen wir uns die Projekte der Ära Kahle/Grüne (2005-2009) an und die Bausünden der Ära an, als Sozialdemokraten mit Gotthold und Vaupel die Baudezernenten stellten (1985-2004).

 

Marburg, den 23.04.2009

Matthias Knoche

Sprecher Kreisvorstand

Direktkandidat für den Bundestag