
31.08.26 –
Beschluss:
Der Kreistag möge beschließen:
Der Kreisausschuss wird beauftragt, im Rahmen des Hitzeaktionsplans des Landkreises Marburg-Biedenkopf ein stufenweises digitales Monitoring des Raumklimas in kreiseigenen Liegenschaften aufzubauen. Betrachtet werden sollen insbesondere Schulen, Verwaltungsgebäude und weitere regelmäßig genutzte Kreisliegenschaften.
In einer ersten Phase sollen repräsentative sowie besonders hitzegefährdete Räume mit digitalen Raumklimasensoren ausgestattet werden. Vorrang haben Räume mit starker Sonneneinstrahlung, insbesondere an Süd-, Südwest- und Westfassaden, große Fensterflächen, Dachgeschossräume sowie bekannte Problembereiche.
Die Sensoren sollen mindestens Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit, vorzugsweise zusätzlich CO₂, erfassen. Die CO₂-Messung soll eine bedarfsgerechte Lüftung unterstützen und die Bewertung der Raumluftqualität ermöglichen.
Die Sensoren sollen nach Möglichkeit nicht als isolierte Datenlogger, sondern dauerhaft in das bestehende bzw. aufzubauende Energiemanagement und/oder die Gebäudeleittechnik (GLT) integriert werden. Die Lösung soll möglichst herstellerunabhängig, über offene Standards integrierbar und auf weitere Liegenschaften erweiterbar sein.
Die Messdaten sollen genutzt werden für:
Die Messdaten sollen den jeweiligen Schulen und – soweit datenschutzrechtlich möglich – öffentlich zugänglich gemacht werden. Hierfür soll eine geeignete digitale Schnittstelle, beispielsweise eine API oder ein webbasiertes Dashboard, vorgesehen werden. Aktuelle und historische Werte bzw. Auswertungen zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO₂ sollen möglichst in standardisierten, maschinenlesbaren Formaten bereitgestellt werden. Personenbezogene Daten dürfen nicht erhoben oder veröffentlicht werden.
Der Kreisausschuss soll zunächst ein Pilotprogramm mit repräsentativen und besonders belasteten Gebäuden und Räumen umsetzen und nach Abschluss der ersten Messperiode dem zuständigen Ausschuss berichten. Der Bericht soll insbesondere Gebäude und Räume, Sensorik, Messgrößen, Anbindung an Energiemanagement/GLT, Ergebnisse, festgestellte Probleme, Maßnahmen, Kosten sowie Möglichkeiten und Kosten einer Ausweitung darstellen.
Das Temperaturmonitoring wird als Monitoringmaßnahme in der nächsten Version des Hitzeaktionsplan dokumentiert. Gegebenenfalls abgeleitete Maßnahmen aufgrund des Monitorings werden ebenfalls als Hitzeschutzmaßnahmen in einer neuen Version des Hitzeaktionsplans aufgenommen.
Begründung:
Das Klimaanpassungskonzept des Landkreises Marburg-Biedenkopf bildet bereits einen politischen Rahmen für den Umgang mit zunehmender Hitze. Für kreiseigene Gebäude sieht es unter anderem einen „Leitfaden für Gebäude und Flächen des Landkreises“ vor; als Erfolgsindikator wird die Reduktion der Innenraumtemperatur in Pilotgebäuden durch punktuelle Messungen genannt.
Der Antrag entwickelt diesen Ansatz zu einer dauerhaften Maßnahme des Hitzeaktionsplans weiter. Gerade Schulen und Verwaltungsgebäude können sich bei sommerlicher Hitze erheblich aufheizen. Langzeitmessungen zeigen, wann, wie lange und in welchem Umfang Räume tatsächlich überhitzen und ermöglichen eine objektive Datengrundlage für die Bewertung der Belastung und der Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen.
Die Messwerte sind zugleich für den Arbeits- und Gesundheitsschutz relevant. Sie ermöglichen, tatsächliche Temperaturverläufe in Arbeits- und Unterrichtsräumen zu dokumentieren und Belastungssituationen frühzeitig zu erkennen. Damit können die Verantwortlichen geeignete Schutzmaßnahmen prüfen, umsetzen und deren Wirksamkeit nachvollziehen.
Die Erfassung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO₂ macht das Monitoring zugleich zu einem Instrument für ein gesundes Raumklima. CO₂-Werte können Schulen beim bedarfsgerechten Lüften unterstützen und bei besonderen Infektionslagen zusätzliche Informationen für Lüftungsmaßnahmen liefern.
Durch die Anbindung an Energiemanagement und GLT entsteht statt einer zeitlich begrenzten Messung mit Datenloggern eine dauerhaft nutzbare digitale Infrastruktur. Die Daten können sowohl für den sommerlichen Hitzeschutz und den Arbeitsschutz als auch für die Heizungsoptimierung im Winter genutzt werden. So lassen sich überhitzte oder unzureichend gelüftete Räume ebenso erkennen wie Probleme bei Heizung und Gebäudetechnik.
Die öffentliche bzw. schulische Bereitstellung der Daten schafft Transparenz und Bildungsnutzen. Die Daten können für Unterrichtsprojekte zu Klima, Energie, Gesundheit, Statistik und Informatik sowie für weitere Auswertungen genutzt werden. Eine offene API oder vergleichbare Schnittstelle ermöglicht die Weiterverarbeitung und reduziert die Abhängigkeit von proprietären Systemen.
Eine vollständige Ausstattung aller Räume ist zunächst nicht erforderlich. Durch die gezielte Auswahl repräsentativer und besonders belasteter Räume kann mit überschaubarem Aufwand eine belastbare Datengrundlage geschaffen werden. Die technische Infrastruktur soll von Beginn an auf eine spätere Erweiterung ausgelegt sein.
Ziel ist: Nicht erst reagieren, wenn Menschen unter Hitze leiden, sondern messen, Belastungen frühzeitig erkennen, den Arbeits- und Gesundheitsschutz unterstützen, gezielt handeln und die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfen.
Der Antrag verbindet damit Klimaanpassung, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Energieeffizienz, Digitalisierung und Bildung und schafft eine konkrete, messbare und erweiterbare Maßnahme des Hitzeaktionsplans.
Sabine Matzen, Johannes Neuhaus
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Klimaliste
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