BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Marburg-Biedenkopf

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Klimaliste: Hitzeaktionsplan nach den Erfahrungen des Hitzesommers 2026 weiterentwickeln

31.08.26 –

Beschluss:

Der Kreisausschuss wird vom Kreistag beauftragt, gemeinsam mit den zuständigen Fachbereichen der Kreisverwaltung eine überarbeitete Version des Hitzeaktionsplans zu erstellen. Hierbei sind folgende Punkte besonders zu beachten:

  1. Gemeinsam mit der Klinikleitung der seit dem 01.01.2026 in Kreisträgerschaft befindlichen Hinterland-Klinik Biedenkopf werden konkrete Maßnahmen zum Hitzeschutz in der Klinik definiert. Bereits etablierte Hitzeschutzmaßnahmen werden ebenfalls im Hitzeaktionsplan dokumentiert.
  2. Für weitere in Kapitel 1 des Hitzeaktionsplans definierte vulnerable Gruppen werden zielgruppenspezifische Hitzeschutzmaßnahmen in den Hitzeaktionsplan aufgenommen. Dabei werden insbesondere ältere und pflegebedürftige Menschen unter Einbeziehung der jeweils relevanten Akteur*innen berücksichtigt.
  3. Die im Klimaanpassungskonzept vorgesehenen Maßnahmen zum Hitzeschutz, insbesondere im baulichen Bereich, sowie die im Klimaanpassungskonzept vorgesehenen Erfolgsindikatoren zum Hitzeaktionsplan werden in den Hitzeaktionsplan integriert.
  4. In Abstimmung mit den Schulleitungen der Schulen im Landkreis wird ein kreisweiter Rahmen für Hitzeschutzkonzepte an den Schulen im Landkreis entwickelt. Dieser soll verbindliche Mindeststandards für den Hitzeschutz enthalten und gleichzeitig schul- und standortspezifische Maßnahmen ermöglichen. Dieser Rahmen wird in den Hitzeaktionsplan aufgenommen.

Die überarbeitete Version wird den zuständigen Ausschüssen des Kreistages bei Fertigstellung vorgestellt.

Der Kreisausschuss wird zudem aufgefordert, den zuständigen Ausschüssen über den Stand der Umsetzung und das Monitoring der Maßnahmen des Hitzeaktionsplans zu berichten. Insbesondere über:

  1. Es wird ein Bericht zur erfolgten Kommunikation mit den im Hitzeaktionsplan benannten Kanälen (Internetseite, Pressemitteilungen, Social Media, digitale Beteiligungsplattform, Veranstaltungen vor Ort) vorgelegt. Insbesondere soll dargelegt werden:

     - wie und in welcher Frequenz die in Tabelle 1 des Hitzeaktionsplans benannten vulnerablen Gruppen erreicht wurden,
    - wie Beschäftigten und Akteur*innen des Gesundheits- und Sozialsystems informiert wurden,
    - ob weiterer Handlungsbedarf besteht, um die Kommunikation auszuweiten und weitere Multiplikator*innen einzubeziehen,
    - ob die erreichten Gesundheits- und Sozialeinrichtungen eigene Handlungsvorgaben aufgrund der weitergegebenen Informationen entwickelt haben.
  2. Es wird ein Bericht über die bisherigen Treffen des Runden Tisches „Hitzeaktionsplan“ vorgelegt. Darin sollen insbesondere die jeweils behandelten Themen, die anwesenden Fachbereiche der Kreisverwaltung sowie die teilnehmenden Kommunen aufgeführt werden.
  3. Darüber hinaus soll berichtet werden, inwiefern Maßnahmen zum Hitzeschutz der im Klimaanpassungskonzept vorgesehenen Aktualisierung bzw. Erstellung des Leitfadens Bauen und des Leitfadens Gebäude/Flächen des Landkreises berücksichtigt werden sollen.

Begründung:

Durch die Klimakrise werden extreme Hitzeereignisse immer häufiger, länger und intensiver. Allein in diesem Sommer hat der Deutsche Wetterdienst bis zum Einreichen dieses Antrags an insgesamt 14 Tagen Warnungen für Hitze oder extreme Hitze im Kreis herausgegeben. Der Allzeittemperaturrekord im Landkreis wurde mit 39,4 °C am 27.06.2026 überschritten.

Die Auswirkungen dieser extremen Hitze sind erschreckend: Das Robert-Koch-Institut schätzt bis zur KW 32 mindestens 12.500 hitzebedingte Todesfälle. Extreme Hitze und Trockenheit setzen auch Ökosysteme und Tiere unter erheblichen Stress, belasten Gewässer und Böden und gefährden die biologische Vielfalt. Auch die Wirtschaft ist betroffen: Eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales berechnet
die deutschlandweiten Kosten eines Hitzetages (≥30°C) auf rund 431 Millionen Euro.

Der Landkreis hat mit dem Hitzeaktionsplan bereits ein Konzept zum Umgang mit extremer Hitze erstellt. Dieser sieht unter anderem eine regelmäßige und kontinuierliche Weiterentwicklung vor. Die außergewöhnliche Hitzebelastung des Jahres 2026 bietet Anlass, die Wirksamkeit und Umsetzung des bestehenden Hitzeaktionsplans kritisch zu überprüfen. Aus Sicht der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen - Klimaliste darf der Hitzeaktionsplan kein statisches Konzept bleiben. Er muss den sich verändernden Bedingungen der Klimakrise Rechnung tragen und auf Grundlage der gewonnenen Erfahrungen kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Der vorliegende Antrag zielt darauf ab, den Hitzeaktionsplan auf Grundlage der Erfahrungen des Hitzesommers 2026 weiterzuentwickeln und bestehende Lücken zu schließen. Gleichzeitig soll durch den Bericht des  Kreisausschusses über die Umsetzung und das Monitoring der bisherigen Maßnahmen Transparenz über die bisherige Umsetzung und das Monitoring geschaffen werden Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, den Hitzeschutz im Landkreis Marburg-Biedenkopf gezielt weiterzuentwickeln.


gez.
Johannes Neuhaus, Dr. Tanja Frank
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Klimaliste

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