
01.06.26 –
Beschluss:
Der Kreistag möge beschließen:
1. Die durch freie Träger geleistete lebensweltorientierte Schulsozialarbeit an den Schulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird mindestens im bisherigen Stundenumfang gesichert. Eine Kürzung der den Schulen aktuell zur Verfügung stehenden Stundenkontingente findet nicht statt.
2. Der Kreisausschuss wird beauftragt, die Haushaltsmittel für die Schulsozialarbeit durch freie Träger so anzupassen, dass tarifbedingte Kostensteigerungen und daraus folgende erhöhte Stundensätze nicht zu einer Reduzierung der tatsächlich geleisteten Schulsozialarbeitsstunden führen.
3. Der Kreisausschuss wird beauftragt, dem Kreistag bzw. dem zuständigen Ausschuss darzustellen, welche zusätzlichen Mittel erforderlich sind, um den bisherigen Stundenumfang an den jeweiligen Schulen zu erhalten. Dabei sind insbesondere die Auswirkungen der Tarifsteigerungen, die Stundensätze der freien Träger sowie die voraussichtlichen Stundenkontingente je Schule transparent darzustellen.
4. Sofern im beschlossenen Doppelhaushalt keine ausreichenden Mittel vorgesehen sind, legt der Kreisausschuss eine geeignete haushalterische Lösung vor, etwa durch eine Mittelumschichtung, Nachsteuerung oder über den nächstmöglichen Nachtragshaushalt.
Begründung:
Schulsozialarbeit ist ein zentraler Bestandteil präventiver Kinder- und Jugendhilfe. Sie unterstützt Schülerinnen und Schüler bei persönlichen, familiären, sozialen und schulischen Problemen, stärkt soziale Kompetenzen und hilft, Krisen frühzeitig zu erkennen und aufzufangen. Die durch freie Träger geleistete lebensweltorientierte Schulsozialarbeit darf dabei nicht mit den vom Land Hessen finanzierten UBUS-Kräften gleichgesetzt oder durch diese ersetzt werden. Auch die Konzeption des Landkreises Marburg-Biedenkopf stellt klar, dass die sozialpädagogischen Fachkräfte des Landes die soziale Arbeit der Jugendhilfe ergänzen, aber nicht ersetzen: https://www.marburg-biedenkopf.de/soziales/Konzept-Schulsozialarbeit-ab-2023.pdf
Bereits heute reichen die Stundenkontingente an vielen Schulen nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Wenn die Haushaltsmittel für freie Träger trotz tarifbedingter Kostensteigerungen nicht erhöht werden, führt dies faktisch zu einer Kürzung der Schulsozialarbeit: Für denselben Haushaltsansatz können weniger Stunden finanziert werden. Eine solche Kürzung wäre angesichts der zunehmenden Belastungen von Kindern und Jugendlichen fachlich falsch und sozialpolitisch unverantwortlich.
Die UNICEF-Studie zum Kindeswohl 2026 zeigt, dass Deutschland beim Wohlbefinden von Kindern weiterhin nur unterdurchschnittlich abschneidet und dass insbesondere Armut und Ungleichheit die mentale Gesundheit junger Menschen beeinträchtigen können: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/unicef-studie-kindeswohl-2026/397376
Schulsozialarbeit ist nicht nur menschlich geboten, sondern auch finanziell sinnvoll. Frühzeitige Unterstützung kann verhindern, dass sich Problemlagen verfestigen und später deutlich kostenintensivere Hilfen notwendig werden. Der Landkreis muss daher sicherstellen, dass die aktuell durch freie Träger geleisteten Stunden mindestens im bisherigen Umfang erhalten bleiben.
gez.
Sabine Matzen
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Klimaliste
Stephanie Theiss
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Klimaliste
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