
01.06.26 –
Beschluss:
Der Kreistag möge beschließen:
1. Der Kreisausschuss wird beauftragt, in Abstimmung mit den Schulleitungen der Integrierten Gesamtschulen in Trägerschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf (Wollenbergschule Wetter, Martin-von-Tours-Schule Neustadt) Konzepte und Kooperationsmodelle zu entwickeln und umzusetzen, um den Wegfall der Lehrerstunden für die Differenzierung für das Schuljahr 2026/2027 vollständig aufzufangen.
2. Der Kreisausschuss wird ermächtigt, die hierfür erforderlichen Mittel aus dem laufenden Haushalt 2026 bzw. im Rahmen von überplanmäßigen Aufwendungen bereitzustellen.
Begründung:
Das pädagogische Konzept der Integrierten Gesamtschulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf basiert maßgeblich auf der äußeren und inneren Differenzierung. Da Kinder mit unterschiedlichen Leistungsniveaus unterrichtet werden, ist die individuelle Förderung das zentrale Werkzeug für den Schulerfolg und ein wesentlicher Kern der Arbeit einer Integrierten Gesamtschule. Individuelle Förderung und Forderung ist ein zentraler
Bestandteil der gelebten Bildungsgerechtigkeit, da nicht alle Kinder und Jugendliche im häuslichen Umfeld auf private Unterstützungsangebote zurückgreifen können.
Durch die Änderung der Zuweisungsrichtlinien des Hessischen Kultusministeriums für das Schuljahr 2026/2027 fallen pro betroffener Klasse bis zu 2,1 Lehrerwochenstunden weg. Für die beiden Schulen in unserer Kreisträgerschaft bedeutet dies einen Wegfall von 30,4 Lehrerwochenstunden (23,4 Stunden an der Wollenbergschule Wetter und 7,0 Stunden an der Martin-von-Tours-Schule Neustadt). Umgerechnet entspricht dies einem Verlust von insgesamt rund 1,3 Stellen für die pädagogische Arbeit.
Diese ausfallenden Stunden haben vor Ort unmittelbare und spürbare Auswirkungen auf den schulischen Alltag: Jede wegfallende Stunde schwächt beispielsweise die Möglichkeiten des individualisierten Lernens, verkleinert das Angebot im Ganztag oder führt dazu, dass Differenzierungsgruppen seltener angeboten werden können. Das betrifft direkt die Lernchancen und den Schulerfolg der Jugendlichen vor Ort.
Angesichts des Umfangs von insgesamt ca. 1,3 Stellen ist für das Schuljahr 2026/2027 je nach Ausgestaltung mit einem Finanzbedarf im Rahmen einer Spanne von ca. 75.000 bis 95.000 Euro zu rechnen.
Da das Land Hessen die Kürzung der Mittel vorerst auf das Schuljahr 2026/2027 befristet hat, handelt es sich um eine temporäre Herausforderung. Ein gezieltes, punktuelles Einspringen des Kreises sichert die bewährten Strukturen unserer Schullandschaft mit einem überschaubaren finanziellen Aufwand ab und schützt gleichzeitig vor möglichen kommunalen Folgekosten im Bereich der Jugendhilfe oder Schulsozialarbeit.
Ein solches Vorgehen wurde im Landkreis Groß-Gerau im März erfolgreich beschlossen und befindet sich in der Umsetzung: https://www.fr.de/rhein-main/kreis-gross-gerau/gross-gerauort819016/
kreis-gross-gerau-zahlt-460-000-euro-gegen-kuerzungen-an-igs-94222900.html
gez.
Andreas May
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Klimaliste
Katja Görgen
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Klimaliste
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